3. September 2020
 

Alle in einem Boot

Tobias Stille
Kino Herbst 2020

Der Drehbuchautor, Produzent und Regisseur Tobias Stille hat über 14 Jahre an „Alle in einem Boot“ gearbeitet und den Film im März in die Kinos gebracht - bevor wenige Tage später alle Filmtheater geschlossen wurden. Nun wird das Werk, das ohne Förderung und ohne Sender entstanden ist, bald wieder in wenigen Kinos zu sehen sein. Wir haben uns mit dem Filmemacher über die Hochs und Tiefs der Arbeit unterhalten, und wie er den Mut gefasst hat, weiter an seine Vision zu glauben. 

In „Alle in einem Boot“ möchte der Regisseur Paul über seinen Großvater und dessen Flucht einen Film machen. Der wollte 1939 mit der St. Louis, einem Kreuzfahrtschiff der Hapag, nach Kuba fliehen – doch Kuba lies die Geflüchteten trotz ihrer Visa nicht an Land. Als Paul nicht genug Geld auftreibt, entscheidet er sich ein Theaterstück zu inszenieren. Er vereint um sich eine bunte Truppe von Schauspielern und beginnt mit den Proben. 
Einer der Schauspieler, Moah, holt aus der nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft afrikanische Migranten, um dem Stück mehr Aktualität zu verpassen – sie sollen als jüdische Flüchtlingskomparsen mitmachen. Plötzlich ist der Theaterraum selber ein Ort der Begegnung - wo alle Fragen verhandelt werden, die auch in der Fluchtgeschichte der St. Louis eine Rolle spielen: Wie groß ist menschliches Mitgefühl? Wie tolerant sind wir mit Fremden? Können wir humanitär handeln und teilen? Wie entsteht Rassismus? 
Ein culture clash beginnt, ein Fremdeln wird zum Miteinander und die historischen und heutigen Schicksale beginnen sich zu vermischen. Denn auf der Flucht zu sein, damals wie heute, heißt existentiell bedroht zu sein. Aber nicht nur in der Theaterwelt rumort es durch die neuen Mitstreiter. Die Geflüchteten wollen ihre Geschichte auch auf der Bühne verhandelt sehen. Statt Flucht in einem Ozeandampfer über den Atlantik ein Überlebenskampf in einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer. 

Alle in einem Boot
Tobias Stille