15. Januar 2020
 

"Star des deutschen Films ist das gelungene Drehbuch" - Stellungnahme des VDD zur Novellierung des Filmfördergesetzes (FFG)

Autor: VDD

Situationsanalyse: Der Erfolg des deutschen Kinofilms ist gefährdet – einer der Hauptgründe ist die jahrzehntelange Unterschätzung des Drehbuchs und seiner Schöpfer.

Bereits in der letzten FFG-Novelle wurde vom VDD die besondere Bedeutung der ERZÄHLUNG für den Erfolg einheimischer Kinoproduktionen mit Nachdruck herausgestellt und von den Branchenkräften, der BKM und dem Gesetzgeber auch erkannt.

Erste, allerdings bei weitem nicht ausreichende Maßnahmen für eine Stärkung des DREHBUCHS für das Kino wurden eingeleitet und mit der seit 2017 gültigen Gesetzesfassung umgesetzt. Die Kinozuschauer – die in Deutschland bekanntlich deutlich zurückhaltender sind als in den allermeisten anderen europäischen Ländern mit Ausnahme von Polen – werden laut der FFA-Besucherstudie 2018 vom Faktor der „Story“ stärker motiviert als von jedem anderen, inklusive der „Stars“.

Star des deutschen Films ist somit eigentlich das gelungene Drehbuch – umso unverständlicher die jahrzehntelange systemische Unterschätzung, ja, Vernachlässigung genuiner AutorInnen für das Kino vom Zeitpunkt der Ausbildung an deutschen Filmhochschulen an. Budgets werden dort weithin und weiterhin an – vom eigentlichen Erzählen oft überforderte - Regiestudierende vergeben, seltenst an Szenaristen. Der „Debütfilm“ ist im allgemeinen Branchen-Sprachgebrauch immer noch der eines Regisseurs, einer Regisseurin – nicht der einer Autorin oder eines Autors, die sich die Geschichte ursprünglich ausgedacht haben.

Zur weiteren Unschärfe trägt die immer noch in den Hochschulen hochgehaltene künstlerische Physiognomie des „auteurs“ bei, die aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt und die Personalunion von AutorIn und RegisseurIn meint – mit deutlichem Schwerpunkt auf der Regietätigkeit. Bis hin zur Vernachlässigung der Einladungen an AutorInnen auf namhafte Festivals und ihrer Erwähnung in deren Katalogen - unrühmlich führend hier die von FFA und BKM unterstützte Berlinale - reicht eine Unterschätzung der kreativen Kräfte der Erzähler, die inzwischen sichtbar dem Produkt Kinofilm und dem Marktanteil deutscher Produktionen an der Kinokasse schadet. „Ein Film von“, ebenso stolzer wie falscher Ausdruck der absoluten Konzentration auf die Regie, ist die unumstößlich scheinende Formel für die Rückwärtsgewandtheit von Teilen des deutschen Kino-Systems und könnte zum Slogan für die abnehmende Bedeutung des deutschen Kinofilms werden.

Unter einem ganz neuen Marktdruck – namentlich dem Auftauchen der Streamingdienste, die High-Class-Produktionen zur Verfügung stellen, die nicht nur visuell, sondern vor allem auch erzählerisch höchsten Ansprüchen genügen und diesen höchsten Anspruch auch beim Kinozuschauer verstärken – ist diese Frage längst nicht mehr nur eine, welche die Berufsgruppe der vom VDD vertretenen AutorInnen beschäftigt. Sie ist nunmehr zur Existenzfrage des deutschen Kinos geworden, das dringend funktionierenden, d.h. ausentwickelten, den Zuschauer ansprechenden „content“ benötigt.

Das „neue Fernsehen“ hat die AutorInnen als Hauptschöpfer seiner publikumswirksamen Serien entdeckt, das „neue Kino“ muss sie wieder entdecken. Um gegen die Konkurrenz eines 24/7 sendenden Fernsehens zu bestehen, das sich selbst neu erfunden hat, braucht es also AutorInnen, die mit Begeisterung genuine Kinostoffe recherchieren, finden, schreiben. Sie ideell und finanziell zu unterstützen über den relativ langen Zeitraum, den die Entwicklung eines ausgereiften Kinodrehbuchs braucht, bedarf es ganz neuer Fokussierung auf den Bereich Stoffentwicklung. Sie muss der wesentliche Bestandteil der FFG-Novelle 2022 werden – und zwar jenseits aller Verteilungskämpfe.

 

Sebastian Andrae

Geschäftsführender Vorstand VDD

 

Den vollständigen Text der Stellungnahme finden Sie im Anhang oder zusammen mit Stellungnahmen anderer Verbände auf der Website der FFA.

 

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