12. September 2018
 

Gebrauchen Sie uns! - Ein Rückblick auf den Autorentag von VDD und ZDF

Autor: VDD

Am 31. August trafen sich die Fiktion-Verantwortlichen des ZDF auf dem gemeinsam mit dem VDD veranstalteten Autorentag im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin zum Austausch mit Drehbuchautorinnen und -autoren.

Aus Sicht des VDD war allen Beteiligten des ZDF anzumerken, dass es nicht nur um den direkten Austausch mit den DrehbuchautorInnen und kurzfristige Problemlösungen geht, sondern dass sich das ZDF offen und handlungsorientiert über neue Formen der Zusammenarbeit und eine Stärkung der AutorInnen Gedanken macht. Im ZDF scheint es ein Bewusstsein dafür zu geben, dass sich eine kontinuierliche, qualitativ immer weiter aufsteigende Fortentwicklung des fiktionalen Programms nur mit den AutorInnen wird bewerkstelligen lassen.

Die zahlreichen Themen und Anregungen aus den Gesprächen auf dem Autorentag wird das ZDF intern auswerten und sehr zeitnah den Dialog mit den AutorInnen fortführen. Wir sind gespannt und freuen uns auf die Diskussion über konkrete Vorschläge.

In der Zwischenzeit veröffentlichen wir hier Eindrücke von der Veranstaltung sowie das Grußwort, das VDD-Vorstand Christian Lex zu Beginn der Veranstaltung gehalten hat.

 

Grußwort von VDD-Vorstand Christian Lex:

31. August 2018 Berlin

"Sehr geehrte Damen und Herren vom ZDF,

sehr geehrter Herr Dr. Himmler,

liebe Kolleginnen und Kollegen.

Ich weiß ja nicht, ob Ihnen klar war, dass sie aus der Nummer nicht mehr herauskommen würden, Herr Himmler. Wir teilten uns im Januar beim Deutschen Fernsehpreis den Tisch und das Gesprächsthema. Es ging – wie konnte es anders sein – um die Wertschätzung der Drehbuchautoren. Sie, Herr Himmler, leisteten nicht Dienst nach Vorschrift, sondern interessierten sich wirklich für unsere Belange und wie es eigentlich so weit kommen konnte. Doch der Abend war zu unpassend, der Wein klimperte schon mit seinen verführerischen Wimpern. Kurzum: Sie versprachen mir, das an anderer Stelle, in größerem und offiziellerem Rahmen fortsetzen zu wollen.

„Wir melden uns bald bei Ihnen!“

Dieser Satz setzt beim Drehbuchautor alle Gefühle frei, nur eben nicht die Gewissheit: „Die melden sich bald bei mir!"

Aber es kam anders, und ein gutes halbes Jahr später stehen wir nun hier. Und das ist gut so. Das ZDF auf der einen, der Verband Deutscher Drehbuchautoren auf der anderen Seite und dazwischen ein mehr oder weniger gut definiertes, gemeinsames Ziel. Ein herzliches Dankeschön schon mal hierfür, sehr geehrter Herr Himmler. Und sie tun wirklich gut daran. Denn wir Autoren bringen etwas mit, was man nirgendwo anders bekommen wird.

Das moderne fiktionale Fernsehen ist ein Erzählfernsehen. Und wenn wir ehrlich sind, war gute Fernsehfiktion das eigentlich schon immer.

Und hier stehen sie.

Die Erzähler.

Doch sie haben zu oft das Gefühl, im mitreißenden Erzählen behindert zu werden. Drehbuchautoren fühlen sich – und leider viel zu oft mit recht – ungehört und – was noch schlimmer ist – ungelesen.  Viel zu oft fehlt entweder Zeit oder Geld oder beides. Viel zu oft sprechen zu viele Köche in den zu schreibenden Brei und am Ende hat man genau das.

Brei.

Also einen Film mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner und nicht mit dem größtmöglichen originären Wert. Der Autor muss das Vertrauen, den Raum und auch die notwendige Bezahlung bekommen, um sein Bestes geben zu können. Wenn man originäre, besondere, mutige, auf sich aufmerksam machende, den Zuschauer bindende Werke schaffen will, sollte man die Persönlichkeit des Autors noch im Buch erkennen und nicht die einundzwanzigste Fassung die er schreiben musste, weil – sie wissen schon...

Aber ich bin schon wieder zu schnell. Das sind ja genau die Themen, für die wir hier sind, über die wir heute reden müssen und auch wollen.

Und wenn ich von unserem Anspruch an den Sender spreche, ist das eine Spiegelsicht. Die Steigerung der Qualität kann nur passieren, wenn auch wir Autoren uns immer und immer wieder hinterfragen, nach neuen Wegen suchen. Uns fragen, was bewegt dieses Land wirklich? Und mit der Suche nach Anspruch nehme ich die vielen Serien und Reihenformate explizit mit hinein. Es ist schwer genug Tag für Tag die x-te SOKO, den ungezählten Liebesfilm neu zu erfinden.

Herbert Lichtenfeld war ein Showrunner, lange bevor es den Begriff gab. Er entgegnete einmal, leicht genervt, auf die Frage ob er ein Gebrauchsautor sei: „Es ist doch gut, wenn ein Autor gebraucht wird!“

Und ich möchte Sie hiermit deutlich aufrufen:

„Gebrauchen Sie uns!“ – „Nutzen Sie unsere kreative Kraft!“ – Verstehen Sie Aufrufe wie „Kontrakt 18“ mehr als Angebot, denn als Angriff.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen im Allgemeinen und das ZDF im Speziellen sind und werden einer zunehmenden Bestandsdiskussion ausgesetzt sein. Nutzen Sie uns – die, die wir täglich versuchen herauszufinden, was dieses Land und seine Menschen umtreibt. Lassen Sie uns gemeinsam die Gesellschaft in WIRKLICH all ihrer Breite abbilden. Geben wir gemeinsam den ganzen Ungehörten da draußen eine erzählerische Stimme. Und da ist es längst nicht mehr fünf vor zwölf.

„Lasst uns eine Räuberbande gründen!“ um es mal mit Friedrich von Schiller auszudrücken. Schwärmen wir aus in die Besprechungsräume des Hauptstadtstudios und nehmen uns ein wenig Zeit füreinander. Und suchen nach Antworten auf so wichtige Fragen wie: Warum hat Schiller eigentlich nie für das ZDF geschrieben?

Zwei Dinge sind mir und uns wichtig: Wir wollen heute konstruktiv und ergebnisoffen diskutieren. Ohne Pitching-Druck auf der einen, der Autorenseite, und ohne Rechtfertigungsdruck auf der anderen, der Redaktionsseite.

Mein Dank und der des VDD geht an den Intendanten des ZDF, Dr. Thomas Bellut, und den Programmdirektor Dr. Norbert Himmler.

Ein ganz besonderer Dank auch dem Chef vom Dienst der Programmdirektion, Dr. Florian Kumb, und seinem Team, mit dem ich diese Veranstaltung organisieren durfte.

Der Dank geht an die stellvertretende Programmdirektorin und Leiterin der HR Fernsehfilm / Serie II – Heike Hempel, den Leiter der HR Fernsehfilm / Serie I, Frank Zervos. allen Mitarbeitern des ZDFs, die heute hier sind.

Und – zu guter Letzt – Danke an alle Autoren fürs Nicht-Aufgeben und meinen Kollegen aus dem Vorstand und der Geschäftsstelle für das Schreiben einer Never-Ending-Serie, die „Verbandsarbeit“ heißt.

Christian Lex, VDD-Vorstand