11. September 2018
 

VDD-Appell: Für Vielfalt im Netz! Ein starker Urheberschutz ist ein Garant für Vielfalt und Freiheit im Internet.

Autor: VDD

PRESSEMITTEILUNG

VDD-Appell an die EU-Abgeordneten zur Verabschiedung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in der Parlamentsabstimmung am 12.9.2018

Berlin, 10.9.2018. Der Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) wendet sich an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments und fordert von den Parlamentariern, den Weg für ein Urheberrecht in der EU zu ebnen, das Urheber und ihre Geschäftsmodelle effektiv schützt.

Drehbuchautoren erfinden Geschichten für Massenmedien. Sie haben ein natürliches Interesse an einer größtmöglichen Verbreitung ihrer Werke, aber sie sind existentiell darauf angewiesen, dass ihre Werke angemessen vergütet werden.

Drehbuchautoren sind dabei in der Regel freiberuflich arbeitende Kreative und tragen bei jeder Ent-scheidung für einzelne Projekte erhebliche künstlerische und wirtschaftliche Risiken. Die Refinanzierung ihrer Arbeit ist im Zuge der Digitalisierung massiv gefährdet.

Während die Nutzungsmöglichkeiten filmischer Werke in atemberaubender Geschwindigkeit zunehmen und internationalisiert werden,  während die Internetplattformen Milliardengewinne mit audiovisuellen Inhalten einfahren, fehlen zugleich die rechtlichen Rahmenbedingungen, die zukünftig Autoren eine angemessen Vergütung sichern.

Drehbuchautorinnen und -autoren erschaffen mit ihrer Phantasie und ihrem schriftstellerischen Können die Geschichten, die uns in Filmen berühren, fesseln, aufklären und unterhalten.

Filmische Erzählungen prägen wie kein anderes Medium unser Bild von der Welt, dem Menschen und unserem Zusammenleben. Drehbuchautor*innen sind entsprechend wichtige Seismographen unserer Gegenwart. Angesichts der rasanten technischen, kommunikativen und sozialen Verän-derungen des digitalen Zeitalters und angesichts der globalen Erosion politischer Gewissheiten und gesellschaftlicher Werte wird diese Funktion immer wichtiger. Filmgeschichten, die weltweit ein Mil-lionenpublikum erreichen, können mit der Vielfalt ihrer Ausdrucksformen und Inhalte Orientierung bieten, Identitäten stiften und insbesondere die Ideen von Freiheit, Vielfalt und Demokratie stabilisieren und weiterverbreiten.

Drehbuchautoren finanzieren die Ideenentwicklung aus ihren Einnahmen. Wer Autoren von Einkunftsmöglichkeiten entkoppelt, gefährdet damit unmittelbar die Zukunftsfähigkeit der TV- und Filmproduktion in der EU.

Kein Drehbuch. Kein Film. lautet ein Motto des VDD.

Mit Blick auf die Kultur- und Kreativwirtschaft Europas ist die Formel erweiterbar: Kein Inhalt. Keine Plattform.

Politisch auch: Kein Inhalt. Keine Vielfalt.

Der VDD appelliert daher an die Mitglieder des Europäischen Parlaments: lassen Sie sich nicht von den Nebelbomben „Leistungsschutzrecht“ und „Link-Steuer“ blenden, sondern schauen Sie hin, wer die Inhalte schafft, die langfristig zur Absicherung Europäischer Werte der Freiheit und Vielfalt beitragen. Und ergreifen Sie endlich die versprochenen Maßnahmen zur Sicherung einer fairen und angemessenen Vergütung für Urheber. Die urheberfreundlichen Vorschläge des Rechtsausschusses weisen in die richtige Richtung.

Entsprechend begrüßt der VDD die in Art. 14 – 16 avisierten Regelungen zu einem Contract Law auf EU-Ebenen und  unterstützt nachdrücklich die Forderungen der Initiative Urheberrecht, deren Mitglied er ist, zur Verpflichtung der Internetplattformen zu Lizenzierung und Urhebervergütung.

Die Forderungen im Kern:

  • Artikel 13 schützt Urheber und Interpreten und gibt Nutzern die längst überfällige Rechtssicherheit. Durch die Definition der Tätigkeit der Plattformen als "communication to the public" werden Lizenzierung und Vergütung genutzter Inhalte endlich verbindlich gemacht.
  • Die Betreiber großer Plattformen sollen durch die Richtlinie veranlasst werden, die Verantwortung für die öffentliche Zugänglichmachung von geschützten Werken zu übernehmen und mit den Rechtsinhabern Lizenzverträge über die Nutzung ihrer Werke abzuschließen. Zur Erleichterung dieser Vereinbarungen sollen die Mitgliedsstaaten ggf. geeignete Vermittlungsinstitutionen einrichten.
  • Zudem soll eine Lösung erreicht werden, die in den Fällen, in denen Plattformen geschützte Werke und Leistungen oder Teile davon öffentlich zugänglich machen, die von Nutzer*innen ohne kommerzielle Absichten hochgeladen werden, sicher stellt, dass die Plattformbetreiber für die Lizensierung der Werke und die Vergütung der Urheber*innen verantwortlich sind und geeignete Verträge abschließen.

Mehr unter: https://urheber.info

Verabschieden Sie den Richtlinienentwurf und machen Sie am 12.9. den Weg frei für die Trilog-Verhandlungen.

Im Namen des VDD-Vorstands

Jan Herchenröder

(Geschäftsführer VDD)

 

Den Text der  Pressemitteilung finden Sie auch als PDF im Anhang.