3. Juli 2018
 

Mehr Investition in gute Stoffe. Mehr Macht den Kreativen. VDD-Filmfest-Panel über Macht und Wert der Fiktion

Autor: VDD

Berlin/München, 3.7.2018

Der Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) hat gestern in Kooperation mit dem Filmfest München in die Black Box eingeladen, um über die Macht der Fiktion zu diskutieren. Moderatorin Brigitte Drodtloff (Drehbuchautorin, Vorstand VDD) gestaltete mit ihren Gästen Sarah Schnier (Drehbuchautorin „Für Meine Tochter“, „Mein Sohn Helen“), Benedikt Röskau (Drehbuchautor „Contergan“, „Zwei Leben eine Hoffnung“), Frank Tönsmann (WDR, Redaktion Fernsehfilm) Isabell Zacharias MdL (Kulturpolitische Sprecherin der Bayerischen SPD-Landtagsfraktion), Daniel Curio, Ministerialrat (Leiter des Referat D4, Film und Games, Abt. Digitalisierung und Medien in der Bayrischen Staatskanzlei) vor zahlreichen Besuchern ein lebhaftes Panel.

Frank Tönsmann forderte hierbei, dass Fiktion als Träger von Information, Unterhaltung und Bildung als eigenständiger Bereich im Auftrag für den öffentlich-rechtlichen Sender definiert wird. Zugleich sollte es in den Programmetats mehr freie Mittel für Fiktion-Produktionen geben, die nicht an einen festen Programmplatz gebunden sind. Er wünscht sich auch, dass fiktionales Erzählen wieder unabhängig wird von den Funktionen „Quote“ und „Relevanz“. „Ein guter Film ist ein guter Film, egal welche Funktion er hat.“

Sarah Schnier betonte, dass Fiktion auf besondere Weise die Auseinandersetzung mit dem Menschen ermöglicht. Es sei aber notwendig, dass gerade bei den öffentlich-rechtlichen Sendern mehr neue Programme entstehen, die auch zum Denken und zur Diskussion anregen. Hierfür brauchen Autoren mehr Finanzierung, um mit Recherchen und ersten Ausarbeitungen die Grundlage besonderer Stoffe zu schaffen. Sie brauchen auch mehr Rechte. „Macht der Fiktion heißt auch Macht der Kreativen.“

Benedikt Röskau fordert mehr Mut und Haltung von den Entscheidern in den Sendern und eine Überwindung des Jetzt-Zustands für den immer noch die Devise gilt: „Scheitern ist nicht mehr erlaubt.“  Anstelle weiterer Formatierung und insbesondere Krimisierung des Fernsehens muss zukünftig die Qualität des Erzählens den Fokus bilden. Für Röskau trägt Fiktion durch die Emotionalität ihrer Geschichten zur Bewältigung von gesellschaftlichen Ereignissen und Umbrüchen bei.

   v.l.n.r.: Sarah Schnier, Daniel Curio, Brigitte Drodtloff (Moderation), Frank Tönsmann, Isabell Zacharias, Benedikt Röskau Bild: Geo Goidaci

Grundsätzlich sollte aber hinsichtlich der qualitativen Bewertung kein Keil zwischen kommerzielle oder nicht-kommerzielle Fiktion getrieben werden, befand Daniel Curio. Für ihn besteht eine Herausforderung der Zukunft darin, dass Fiktion auf vielen Ausspielwegen wahrgenommen wird. Die Fragen der fairen Rechteverteilung und der Produktionsbudgets rücken so in den Mittelpunkt der Medienpolitik.

Isabell Zacharias forderte mehr Diversität in den fiktionalen Programmen und empfahl den Intendanten von ARD und ZDF angesichts der aufkommenden Beitragsdiskussion eine „Volloffensive für die Investition in gute Stoffe“.

Still wurde es in der Black Box, als eine Autorin aus Österreich über die aktuelle Situation beim ORF und wachsende Einflussnahme der FPÖ sowie schwindende Freiheiten der AutorInnen berichtete.

Den Ausgangspunkt der Diskussion bildeten zehn Thesen zur Fiktion, die VDD-Vorstandsmitglied Katharina Amling ausgearbeitet hat.

Diese finden Sie hier.