8. November 2018
 

Das war die World Conference of Screenwriters 2018. Ein Rückblick auf die WCOS 04.

Vom 10. bis 11. Oktober haben sich auf Einladung des VDD, der Federation of Screenwriters in Europe (FSE) und der International Affiliation of Writers Guilds (IAWG), in der Berliner Akademie der Künste über 300 namhafte AutorInnen aus allen fünf Kontinenten und weit über 40 Nationen zur World Conference of Screenwriters - WCOS 04 - zusammengefunden. Bis heute erreichen uns zahlreiche begeisterte Dankesemails von teilnehmenden AutorInnen und Verbänden. Wir hatten eine gute Zeit!

"In der wunderschönen Akademie der Künste, direkt am Pariser Platz beheimatet, gab sich das Who-is-Who der internationalen KollegInnen die Klinke in die Hand. Als Beispiele für  „unsere Stars“ seien z. B. „Sherlock“-Erfinder Steven Moffat genannt, „Family Guy“-Headautor David A. Goodman oder der Amerikaner James Schamus, in Cannes für sein Drehbuch zu „Der Eissturm“ ausgezeichnet.  Skandinavische Koleginnen wie Camilla Ahlgren („Quicksand“, "The Bridge") oder Karianne Lund („Occupied“), die kämpferischen Israelis Amit Leor („The Eighties“) und Leora Kamenetzky („Fauda“), die erfrischenden Neuseeländerinnen Kathryn Burnett („Fresh Eggs“) und Fiona Samuel („Bliss – The Beginning of Katherine Mansfield“) glänzten auf dem Podium . Es ging um Netflix einerseits und die Kraft lokaler Märkte in der anderen Waagschale. Es ging um Frauen in und an den Büchern. Es ging um politische Beeinflussung und Freiheit. Um Showrunner und sich verschiebende Machtverhältnisse. Und es ging auch um die Stärkung der Verbände – in engem partnerschaftlichem Austausch mit den Writers Guilds of America, Canada, Great Britain u.v.a.. Höhepunkte der zwei ob der politischen Situation in der Welt aufrüttelnden, aber auch motivierenden Tage bildeten mit seiner berührenden Rede der im geheimen deutschen Exil lebende türkische Journalist und Erdogan-Kritiker Can Dündar sowie die russische Aktivistengruppe Pussy Riot, deren Redner Pjotr Wersilow noch von seiner mutmaßlichen Vergiftung nach einer politischen Aktion gezeichnet war.

Was von der WCOS 04 bleibt, sind mehr als wunderschöne Fotos von einem blutroten Himmel hinter dem Brandenburger Tor. Was bleibt, ist das Wissen um die Verantwortung, unsere Gesellschaft in all ihrer Breite abzubilden und ihre demokratische Kraft zu spiegeln. Deren Gegner, auch das wurde an diesen Tagen wieder klar, sind uns z.B. in Österreich und Polen schon erschreckend nah gekommen." (VDD-Vorstand Christian Lex in den VDD-Mitgliederinfos)

 

Highlight Video der WCOS 04. Realisierung: indexthumb/Will Hamilton

Carolin Otto, Vizepräsidentin der FSE, VDD Beirätin und inhaltliche Leiterin der WCOS 04, hat die die Leitbegriffe der Konferenz, Power und Freedom, in ihrer viel beachteten Eröffnungsrede der WCOS 04  "Am Anfang war das Wort" erörtert:

"Film always is a collaborative work. But it should never be forgotten that the original vision is the writer’s vision. His or her influence has to be assured - for the quality of the final product – the film. But not only do we want the power to secure our vision, but we want to get paid for our work and the use of our rights. We want to make a living. The word showbusiness includes business."

Power steht für mehr Macht und Einfluss und faire Vergütung der AutorInnen sowie für mehr Kontrolle über ihr Werk. "Kontrolle – ein Schlüsselwort in der neuen und vielfach wohl auch schönen, weil reichhaltigen Fernsehwelt, und auf dieser sonnenverwöhnten Konferenz. Kontrolle über das Werk und seinen Weg ist nicht nur für deutsche DrehbuchautorInnen ein Thema, auch weltweit. Künstlerische Kontrolle und Mitbestimmung der Erfinder, um Filme und Serien individuell und unverwechselbar zu machen. Politische Kontrolle als Bedrohung dieser Individualität. Es war beeindruckend mitzuerleben, wie es auf der vielstimmigen Konferenz gelang, weder das Handwerk noch das Umfeld aus den Augen zu verlieren.", so beschreibt es Sebastian Andrae, geschäftsführender Vorstand des VDD, in einem Resumee der Konferenz für den TAGESSPIEGEL.

Während es wohl selten so viel Optimismus unter AutorInnen gab, dass durch die insbesondere im Kontext neuer Serienformate für Branche ünd Öffentlichkeit erkennbare Bedeutung des Erzählens und der Buchentwicklung der kreative Einfluss der Autoren im Produktionsprozess insgesamt endlich den notwendigen und angemessenen Raum erhalten wird, ist die Freiheit für den künstlerischen Ausdruck und die politische Meinungsäußerung zunehmend bedroht.

Wie Carolin Otto feststellt: "The cut down of the freedom of expression has reached the industry in the European Union, and thus our working lives."  Demgegenüber steht ihr  Appell: "We are writers. We invent the fictional narrative of societies. Our work is a powerful tool we have to use – even more in these times. We are responsible. It’s only together that we can move things."

"Wir werden trotzdem weiter erzählen. Weil wir es müssen, und weil Erzählen die Deutung der Welt versucht. Für jene, denen ebendas verboten werden soll, weil es nicht ins Weltbild der Herrscher passt – in Sendern und Ländern -, hat diese Weltkonferenz der Drehbuchautoren eine starke Stimme erhoben. Sie wird nicht verstummen." (Sebastian Andrae)

"Am Ende des Tages ist es auch ein Druck von außen, der eine Kraft von innen freisetzt.  Eine, die für die Freiheit kämpft. Power and Freedom eben. Die Drehbuchautoren gingen gestärkt aus der WCOS - bereit für die Aufgaben der Zukunft." (VDD-Vorstand Christian Lex in seinem Resumee "Druck im Kessel!", veröffentlicht in Blickpunkt Film)

Die WCOS 04 begann inoffiziell schon am 9. Oktober mit einem vom VDD organisierten, von den internationalen Gästen gefeierten Sonderscreening des Fritz-Lang-Klassikers "M - Eine Stadt sucht einen Mörder", für das Fritz Lang zusammen mit Thea Harbour das Drehbuch geschrieben hat .

WCOS 04 - das waren drei inhaltlich intensive, politische und auch sehr sonnige Tage, denen ein Jahrestreffen der IAWG voraus ging und denen sich ein Jahrestreffen der FSE anschloss. Eine internationale Woche also für den VDD.

In Zeiten, in denen das Erzählen und Schreiben für Film und Serie durch internationale Player wie Netflix, amazon etc. zwar neue Möglichkeitsräume erhält, zugleich aber auch nationale und europäische Vertragsstandards von US-Konzernen aufgeweicht zu werden drohen und urhberrechtlicher Schutz im digitalen Markt über Entscheidungen in Brüssel neu verankert werden muss, ist der internationale Austausch so wichtig wie nie zuvor.

Oder wie es Carolin Otto in einem Interview mit Blickpunkt:Film formuliert hat: "Der Austausch ist überlebenswichtig". Die internationalen Kontakte zwischen AutorInnen, aber auch zwischen den internationalen Verbänden und ihren Vertretern fokussierten unter anderem Strategien für kollektive Honorarverhandlungen, Höhe von Vergütungen, die Implementierung des Urheberrechts. Hierbei hat die World Conference, hierbei haben aber auch insbesondere die Dachverbände FSE und IAWG eine wichtige Bedeutung:  "Es sind Dachverbände, die die Interessen der Autoren als Ganzes gegenüber dem Gesetzgeber, TV-Sendern und Produzenten vertreten. Die Mitgliedsverbände sind untereinander (...) zu Solidarität verpflichtet, was im Einzelfall sehr hilfreich sein kann. In den Zeiten von globalen Playern wie Netflix und der Nutzung des Internets zur Verbreitung von (fiktionalen) Inhalten müssen die Interessen der Autorinnen und Autoren transnational vertreten werden. Das können nur europaweite bzw. globale Interessensvertretungen. Wir als VDD und unsere Mitglieder profitieren bereits von den Einflussmöglichkeiten in Brüssel und einem essentiellen Know-How-Zuwachs."

Die erfolgreiche World Conference hat den VDD - als Mitglied der IAWG eine Sister Guild der Amerikanischen Writers Guilds - auf der persönlichen Ebene noch näher an die amerikanischen und angelsächischen Guilds herangeführt - strategisch lassen sich für den VDD so noch stärker als zuvor nicht nur europäische, sondern auch transatlantische Allianzen und Know-How-Transfer für die Durchsetzung der Interessen von DrehbuchautorInnen nutzen.

Zunächst aber können die tollen Tage in Berlin auch einfach noch etwas nachhallen - das Ergebnis von zwei Jahren Vorbereitung.

Dafür geht ein ganz besonders herzlicher Dank an Carolin Otto, die unglaublich viel Kraft und Zeit in dieses Projekt gesteckt hat, sowie an die Förderer und Unterstützer.

Herzlicher Dank auch an die geschäftsführenden VDD-Vorstände Sebastian Andrae und Peter Henning für ihren Einsatz als Moderatoren auf der Konferenz.

Ein ganz großes Dankeschön an Patty Hamilton für das erfolgreiche Projektmanagement, an Nilufar Reichel für die große Unterstützung in der Endphase des Projekts sowie an Wendy Pladeck für die zuverlässige Begleitung der Konferenzfinanzierung.

Ein ganz besonderes Dankeschön auch an Katharina Uppenbrink, ehemalige Geschäftsführerin VDD und jetzt Geschäftsführerin der Initiative Urheberrecht, die das Projekt von Beginn an mit ihrem Know-How und ihren Erfahrungen bei der Organisation der vorherigen World Conferences beratend begleitet hat.

Und wer hat die WCOS 04 national und international online sichtbar gemacht? Richtig. Das Social Media Team des VDD - Emily Reimer, Manja Schaar, Robert Hummel - auch euch ganz großen Dank!!

Die nächste World Conference - WCOS 05  - findet 2020 in Kopenhagen statt. Wir freuen uns schon jetzt darauf.

 

Jan Herchenröder

 

Weitere Links zur WCOS 04:

Eine umfassende Bilder-Galerie und zeitnah auch eine umfassende Dokumentation der Panel der WCOS 04 finden sie auf der Konferenzwebsite.

"Für die Kraft und die Freiheit der Worte" - Resumee der WCOS 04 von Sebastian Andrae auf tagesspiegel.de

Die viel beachtete Eröffnungsrede der WCOS 04 von Carolin Otto vom 10. Oktober 2018.

Die Rede von Can Dündar, gehalten auf der WCOS 04 am 11. Oktober, abgedruckt in der FAZ, online unter dem Titel "Morde sind erlaubt, Küsse nicht".

Die Veröffentlichung der Deklaration der WCOS 04.

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World Conference of Screenwriters 04 (WCOS 04) -  eine Veranstaltung  vom Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD), der Federation of Screenwriters in Europe (FSE) und der International Affiliation of Writers Guilds (IAWG).

Mit Unterstützung der Filmförderantstalt (FFA), des Auswärtiges Amts, der Akademie der Künste, der VG Wort, des Regierende Bürgermeister von Berlin, die Authors' Licensing and Collecting Society.

WCOS 04 Worldconference of Screenwriters 2018 Berlin
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