Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

SCRIPTonline Nummer 6

Editorial

Sechs Emmys, die Oscars des Fernsehens, gingen in diesem Jahr an Drehbuchautoren. Mit Matthew Weiner und Erin Levy wurden die Erfinder und Schreiber der fulminanten „Mad Men“ geehrt: Selten wurden wir so elegant auch über unsere Zeit aufgeklärt wie auf dieser Zeitreise in die Werbewelt der stylish Sixties. Barry Julien als Headwriter seines gleichfalls ausgezeichneten Autorenteams ist für die scharfe Klinge des „Colbert Report“ verantwortlich, mit der ein Comedysender das „Breaking News“-Trommelfeuer von Fox und Co pariert und der so etwas wie ein moralischer Gradmesser der US-Öffentlichkeit wurde. Die Preisträger stehen für ein Fernsehen, das seinen weltweiten Erfolg der kreativen Kraft von Autoren verdankt – und das auch weiß. Zur gleichen Zeit beschließen die Stifter des Deutschen Fernsehpreises eine „Reform“, die in die Gegenrichtung führt. Man lasse sich nicht täuschen: Was in öffentlichen Stellungnahmen als „Gleichbehandlung aller Genres“ angekündigt wird, tarnt die Entwertung des Fiktionalen. Wer den „Werk- und Teamgedanken“ in den Vordergrund stellt, will in Wahrheit die Leistung des Urhebers verschleiern. Der VDD wird sich das nicht gefallen lassen und hat bereits öffentlich Stellung bezogen. Nicht erst die Emmys zeigen, dass Fernsehen immer noch die vitalste und attraktivste aller Erzählformen sein kann. Doch dafür muss man jene stärken, die wirklich erzählen können – auch hierzulande.

Für den Vorstand: Sebastian Andrae

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Inhalt

1. Die Stifter des Deutschen Fernsehpreises halten Filmkünstler nicht mehr für preiswürdig.
2. Neue Podcasts auf der VDD-website “Stichwort Drehbuch“
3. Europäische Autoren und Regisseure setzen sich in Brüssel ein
4. VDD trifft Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger
5. DEUTSCHE DREHBÜCHER Jahrgang 2010 der Deutschen Filmakademie veröffentlicht
6. Buchbesprechung - „Wir bleiben dran“
7. Veranstaltungshinweise:

  • -„CSI“ und „Grey's Anatomy“ machen's vor – Internationale Konferenz
  • - FilmStoffentwicklung 2010
    8. Drehbuchpreise / Ausschreibungen:

  • - Thomas Strittmatter Preis 2011
  • - Drehbuch-Wettbewerb „NOT und HILFE“
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    Deutscher Fernsehpreis

    Die Stifter des Deutschen Fernsehpreises haben die Auszeichnungen für Drehbuch und andere künstlerische Einzelleistungen nahezu alle gestrichen. Der VDD hat sich dazu schnell geäußert und die folgende Pressemitteilung veröffentlicht:

    Die Stifter des Deutschen Fernsehpreises halten Filmkünstler nicht mehr für preiswürdig.

    Die Stifter des Deutschen Fernsehpreises haben die Auszeichnungen für besondere künstlerische Einzelleistung gestrichen. Drehbücher, Regie, Komposition, Kamera, Szenographie, Kostümbild, Schnitt und andere sind von der Liste der Preisträger entfernt. Damit verabschieden sich die Stifter von der Würdigung derjenigen, die mit ihrer besonderen künstlerischen Leistung Filme und Sendungen überhaupt erst möglich machen und wandeln den Deutschen Fernsehpreis zum reinen Produkt und Produzentenpreis.

    Weiter hier: http://bit.ly/9eSRo2

    Der BFFS (Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler) hat sich mit einem offenen Brief an die Stifter des Deutschen Fernsehpreises gewandt und stieß bereits auf sehr viel Resonanz.

    Den Brief haben neben dem VDD auch zahlreiche weitere Kreativen-Verbände der Film und Fernsehbranche wie Regie, Kamera, Schnitt, Ton, Agentur-Verbände und ver.di mit unterzeichnet.

    Hier der Offene Brief der Schauspieler: http://bit.ly/cWTLR0

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    Neue Podcasts auf der VDD-website “Stichwort Drehbuch“

    Gespräche mit
    - Benedikt Roeskau und Sylvia Leuker (beide VDD / "Die Frau des Schläfers"),
    - Stefanie Sycholt (Autorin von "Themba"),
    - Daniel Nocke (Autor von "Dutschke"),
    - Katharina Reschke (VDD / "Hanni und Nanni" und "Das Sandmännchen“) über die aktuelle Situation des deutschen Kinderfilms,
    - Michael Gutmann (VDD / Drehbuchautor, Regisseur und Professor an der HFF München)
    - Jo Baier und Cooky Ziesche (Autoren von "Henri 4 ").

    Außerdem ein Gespräch mit Tillmann Roth über aktuelle Drehbuchsoftware.

    http://www.stichwortdrehbuch.de/stichwort_drehbuch/

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    Europäische Autoren und Regisseure setzen sich in Brüssel ein

    Die Brüder Dardenne, Costa-Gavras, Fred Breinersdorfer, Bertrand Tavernier u.a. haben sich im Juli 2010 mit einem offenen Brief an das Europäische Parlament gewandt, um ihre Haltung bezüglich der „Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums" zu bekunden.

    Hier der offene Brief des Board of Patrons der SAA (Society of Audiovisual Authors / http://www.saa-authors.eu/):
    http://bit.ly/b4cSXV

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    VDD trifft Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger

    Vor der Sommerpause waren VDD-Vorstand Jochen Greve, VDD-Autor und Jurist Fred Breinersdorfer sowie VDD- Justitiar Prof. Paul Hertin zu einem Gespräch mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eingeladen. Sie haben der Ministerin in einem langen Gespräch die rechtlich und wirtschaftlich desolate Lage der Drehbuchautoren geschildert und eine Verbesserung der Stellung des Autors im neuen Urhebergesetz verlangt.

    Der VDD beteiligt sich aktiv an der Ausgestaltung des sog. 3. Korbs des Urheberrechts - der Urheberrechts-Novellierung, die im Herbst in die "heiße" Gesetzgebungsphase eintreten wird. Bei den beiden bisher erfolgten Anhörungen des Bundesjustizministeriums waren VDD-Vertreter an der Diskussion beteiligt. Bereits im vergangenen Sommer hat der VDD eine schriftliche Stellungnahme zur geplanten Novellierung abgegeben: http://bit.ly/aacEHL

    Der Autor bzw. Urheber stand erfreulicherweise im Mittelpunkt der sog. „Berliner Rede“ der Bundesjustizminsterin am 14. Juni 2010: http://bit.ly/9fnz3h

    Der VDD ist Teil der "Initiative Urheberrecht", die bereits bei den beiden vorangegangenen Gesetzesnovellierungen erfolgreich mitgewirkt hat. Hier die aktuelle Pressemitteilung: http://bit.ly/bPuzyL

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    DEUTSCHE DREHBÜCHER Jahrgang 2010 der Deutschen Filmakademie veröffentlicht

    Bevor ein Film produziert werden kann, muss ihn sich ein Autor erst einmal ausdenken, Satz für Satz und Szene für Szene. Jeder Regisseur verlangt nach einem Drehbuch. Umso überraschender ist es, wie sehr sich das zugrunde liegende Drehbuch häufig vom fertigen Film unterscheidet.

    Um diesen langwierigen Prozess vom Drehbuch zum fertigen Film nachvollziehbar zu machen, gibt die Deutsche Filmakademie gemeinsam mit ihren Mitgliedern Fred Breinersdorfer (VDD) und Dorothee Schön (VDD) seit 2008 die Reihe DEUTSCHE DREHBÜCHER heraus. So wird die Arbeit herausragender Drehbuchautoren vorgestellt, deren Bücher für den DEUTSCHEN FILMPREIS nominiert wurden.
    Erschienen sind im Frühsommer die nominierten und das Gewinner-Drehbuch 2010:

    "Das weiße Band" von Michael Haneke
    "Die Fremde" von Feo Aladag (VDD)
    "Whisky mit Wodka" von Wolfgang Kohlhaase (VDD)

    Sie können einzelne Drehbücher oder die kompletten Jahrgänge der DEUTSCHEN DREHBÜCHER der Deutschen Filmakademie hier online bestellen: http://bit.ly/a9ZuSA

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    Buchbesprechung - „Wir bleiben dran“

    von Heiko Zupke

    Rudolf Bohne / Gunther Eschke
    „Bleiben Sie dran! Dramaturgie von TV-Serien“
    UVK-Verlag / ISBN 978-3-86764-176-0 / € 19,90

    „Die Serie lebt!“ ruft Joachim Kosack aus, Senior Vice President Fiction, ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH, als Einstieg in sein Vorwort zum frisch erschienenen „Bleiben Sie dran! Dramaturgie von TV-Serien“ von Rudolf Bohne und Gunther Eschke.

    Dem Ausruf kann und will man nicht widersprechen. Das liegt nicht nur an us-amerikanischen Spitzen-Produkten, vor denen man in den letzten Jahren bei genauerer Betrachtung oft ehrfurchtsvoll den Hut zog (nachdem man sich großartig unterhalten hatte). Es gibt in jüngster Zeit wieder Beispiele für deutsche Serienproduktionen, die ebenfalls die von den Sendern erhofften Zuschauerzahlen erreichen oder übertreffen. Sowohl bei den Öffentlich-Rechtlichen als auch den Privaten. Und wir können glücklich darüber sein: Ohne Serien würden alle aus der Branche weitaus schlechter leben. Sie sind für viele das Brot- und Butter-Geschäft. Und verhindern damit wenigstens zum Teil die vom VDD zu Recht beklagte „Hobbysierung“ unseres Berufs.

    Die Serie lebt, weil sie geliebt wird. Allerdings nicht alle. Auch in den USA floppt die Mehrheit aller Versuche, von denen wir allerdings selten erfahren. Und nicht alle Formate werden von sämtlichen Zuschauergruppen goutiert. Die eierlegende Wollmilchsau existiert halt auch im Segment fiktionales serielles Erzählen im TV-Bereich nicht. Und Klonen klappt ebenfalls selten. Stattdessen haben offenbar eher Serien Massen-Erfolg, die präzise und gleichzeitig gemäßigt „innovativ“ einprägsame Charaktere und eine „attraktive“ Welt erzählen, die in sich konsequent ist.

    Rudolf Bohne und Gunther Eschke formulieren ihren Anspruch in der Einführung ihres Buches so: „Wir wollen mit unseren Vorschlägen ein stärkeres Bewusstsein für die Verwendung bestimmter erzählerischer Mittel und ihrer Wirkung wecken, indem wir aus der praktischen Erfahrung der Stoffentwicklung heraus Erfahrungswerte formulieren.“ Gleichzeitig möchten sie „Die serienspezifische dramaturgische Terminologie mit nachvollziehbaren Inhalten (…) füllen (…).“

    Sie ziehen dafür in erster Linie die Serien Desperate Housewives, Dr. House, Monk, Verliebt in Berlin und Doctor´s Diary heran. Natürlich könnte man sofort endlos über diese Auswahl diskutieren , aber sie wird begründet. Dass es sich um Publikumserfolge handelt, kann niemand bestreiten. Hauptsächlich anhand dieser Beispielserien wird nun, teilweise unter beherztem Rückgriff auf Ansätze, Begriffe und Definitionen anderer Autoren wie Roland Zag, John Vorhaus, Laurie Hutzler, Philipp Parker, um einige zu nennen, ein dramaturgisches Sezierbesteck für Serien auf den OP-Tisch gelegt.

    Die vollständige Rezension hier: http://bit.ly/bzQJls

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    Veranstaltungshinweis: „CSI“ und „Grey's Anatomy“ machen's vor – Internationale Konferenz

    Rollenvorbilder und „Entertainment Education“ in Soaps und Serien:
    Einladung zur internationalen MINTiFF-Konferenz
    "Don't think it's only entertainment"
    vom 6. bis 8. September 2010 im ICC, Berlin

    Tickets sind online und an der Tageskasse erhältlich zum Preis von EUR 40,- (Tagesticket) bzw. EUR 80,- (3-Tage-Spezial). Im Ticketpreis ist das Catering vor Ort enthalten.

    *** 50% Rabatt für VDD-Mitglieder***

    Serienformate wie „CSI“ und „Grey's Anatomy“ werden durch wissenschaftliche und technologische Inhalte sowie starke Frauenfiguren bereichert und sind bei Jugendlichen beliebt. Welche Auswirkungen das hat und den Vergleich mit deutschen TV-Formaten diskutieren renommierte Fernsehschaffende und Wissenschaftler/-innen aus Deutschland mit internationalen Gästen während der Konferenz "Don't think it's only entertainment – MINT und Chancengleichheit in fiktionalen Fernsehformaten", vom 6. bis 8. September 2010. Thematisiert wird beispielsweise die Frage, warum es in Deutschland eher amerikanischen Serienformaten überlassen bleibt, die Welt von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technologie (MINT) und Frauen in MINT-Berufen in Szene zu setzen. Neben Diskussionsrunden stehen Vorträge im Mittelpunkt, etwa eine Lecture der US-Amerikanerin Corinne Marrinan (Autorin und Producerin von „CSI“) zum Thema „CSI – How Science and Gender Enrich Fiction“.

    Weitere Informationen hier: http://bit.ly/aQRer3

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    Veranstaltungshinweis: Filmstoffentwicklung 2010

    Fachtagung zum Thema Drehbuchschreiben, Storytelling und Dramaturgie
    Am 09. Oktober 2010 veranstaltet der Verband deutscher Film- und Fernsehdramaturgen (VeDRA) zum zweiten Mal eine Fachtagung zum Thema Drehbuchschreiben, Storytelling und Dramaturgie.

    Ort: Urania Berlin, An der Urania 17, 10787 Berlin (Nähe Wittenbergplatz)
    Zeit: 09.10.2010, 10.00 bis 19.00 Uhr

    Veranstalter: VeDRA, Verband deutscher Film- und Fernsehdramaturgen e.V. http://www.filmstoffentwicklung.de/

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    Thomas Strittmatter Preis 2011

    Seit 1999 schreibt die MFG Filmförderung Baden-Württemberg ihre mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für Drehbuchautoren aus. Am 3. September 2010 startet die neue Bewerbungsfrist, die zum 3. November 2010 endet.

    Eingereicht werden können Drehbücher aller Genres für einen abendfüllenden Spielfilm, die in deutscher Sprache verfasst sind, zum Zeitpunkt der Verleihung noch nicht verfilmt sein dürfen und keine Namen oder Copyright-Vermerke aufzeigen. Voraussetzung für eine Bewerbung ist entweder der Wohnsitz des Autors oder die eindeutige Lokalisierung der Handlung in Baden-Württemberg. Das Preisgeld ist gebunden an die Erstellung eines neuen Drehbuches, das den Richtlinien der MFG entspricht.

    weitere Informationen: http://bit.ly/cpUdJq

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    Drehbuch-Autoren-Wettbewerb „NOT und HILFE“

    NOT und HILFE - Wie stehen Menschen einander in äußerster Not und unter schwierigsten Umständen bei? Wer sind die Retter und Helfer? Was ist die Aufgabe von Notfallseelsorgern? Wie geht es nach der Katastrophe weiter?

    Drehbuch-Autoren-Wettbewerb der Stiftung Wert(e)voller Film in Kooperation mit TOP: Talente e.V. – Akademie für Film- und Fernsehdramaturgie und mit Unterstützung der Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge

    Gesucht werden Exposés für einen Fernsehfilm (90 Minuten), der sich in seinen Charakteren, Geschichten und Ereignissen damit beschäftigt. Der Wettbewerb richtet sich bevorzugt an erfahrene Drehbuchautoren, die zum Thema Not und Hilfe packende Geschichten erzählen, die ein Millionenpublikum faszinieren.

    weitere Informationen: http://bit.ly/9At6Hr

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    VDD on Twitter: http://twitter.com/vdd_drehbuch
    VDD on Facebook: http://bit.ly/chupML

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    August 2010