Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

SCRIPTonline Nummer 5

Editorial

Premiere: Der sich selbst entwickelnde Film!

Die roten Teppiche sind eingerollt, und darunter wird er wieder sichtbar: Der steinige Weg zum fertigen Film. Es war die Berlinale, in welcher der Goldene Bär endlich lesen gelernt hat und erkannte, dass er zum Drehbuchautoren Wolfgang Kohlhaase gehört (Namen von Autoren im Festivalkatalog suchte allerdings selbst ein alphabetisierter Bär vergebens). Doch auch uralte Kulturtechniken schützen vor Digitalisierung nicht, und das ist wohl gut so. Während man sich um die Kopierwerke keine Sorgen machen muss, da sie inzwischen alle möglichen Techniken der Filmbearbeitung anbieten, scheint am anderen, am Alpha-Ende der Filmentwicklung, weniger mehr zu sein – jedenfalls nach dem Willen mächtiger Kräfte der Branche.

Obgleich alle stolz sind auf den Marktanteil des deutschen Kinofilms und die Vielfalt des deutschen Fernsehens, hat bei der Entwicklung von Drehbüchern ein Austrocknungsprozess eingesetzt. Er wird uns allen schaden, nicht nur den existenziell betroffenen Autoren, wenn man ihm nicht entgegenwirkt. Und es ist kein Zufall, dass gleichzeitig ein Griff nach der Urheberschaft stattfindet, der durch ein eigens erfundenes Wort legitimiert werden muss, nämlich des „Produzentenurheberrechts“. Jahrhunderte lang war es ausgemachte Sache, dass der Werkschöpfer seine eigenen Untiefen auslotet, seine Persönlichkeit in die Waagschale werfen, mit seiner Zeit und mit der Form ringen müsse, um die Gestaltungshöhe dessen zu erreichen, was wir als „Werk“ bewundern und für schützenswert halten – auch da es sich diesseits aller Künstlerromantik um einen so gefährdeten, persönlichen Vorgang handelt. Nun soll offenbar die Anstrengung genügen, mehrere Schöpfer zusammenzuführen, um selbst einer zu sein: Der Film als Wille und Vorstellung. Doch der Wille, Autoren immer mehr Entwicklungsrisiko aufzubürden und ihnen gleichzeitig die kreativen Grundrechte zu entziehen, wird nicht zu mehr Individualität, sondern zu mehr Gleichförmigkeit unserer Filmlandschaft führen. Auch das mag gewollt sein. Aber denen, die es wollen, sollte man keine roten Teppiche ausrollen.

Für den Vorstand: Sebastian Andrae

Inhalt

  • Autoren tragen zunehmend das Entwicklungsrisiko – der VDD warnt vor einer Schwächung der Film- und Fernsehproduktion
  • VDD goes Facebook
  • VDD-Berlinale-Empfang: Deutscher Drehbuchpreis 2010 verliehen
  • Goldener Ehrenbär für Wolfgang Kohlhaase
  • FFA - Drehbuchförderung
  • Unternehmer rettet Emder Drehbuchpreis
  • Füllhorn, fliederfarben - SCENARIO 4 ist erschienen
  • Autoren tragen zunehmend das Entwicklungsrisiko – der VDD warnt vor einer Schwächung der Film- und Fernsehproduktion

    Im November 2009 gaben die ARD und die Allianz der Filmproduzenten unter großem Trommelwirbel bekannt, dass sie sich als Eckpfeiler der Fernsehindustrie mit 3,5 Milliarden Umsatz und über 50.000 Beschäftigten in Zukunft insbesondere um die Entwicklung von Stoffen und Filmen kümmern werden.

    Eigentlich eine gute Nachricht für die Branche, hängen doch die Attraktivität und die Exportfähigkeit deutscher Film- und Fernsehproduktionen von der Qualität, Kreativität und Originalität der Stoffe ab.

    Fakt ist aber, dass das Development in Deutschland mit seinen künstlerischen und wirtschaftlichen Risiken auf die Autoren abgewälzt wird.

    weiter: http://bit.ly/anjj2S

    VDD goes Facebook

    Für den schnelleren Informations- und Meinungsaustausch sind wir nach Twitter noch präsenter in der Netzwelt: Mit der Seite „Verband Deutscher Drehbuchautoren“ sind wir nun auf Facebook vertreten*.

    Alle VDD-interessierten Facebook-Nutzer sind gerne dazu eingeladen, sich mit dem VDD zu verlinken, indem sie „Fan“ der Seite werden. Bitte geben Sie hierzu „Verband Deutscher Drehbuchautoren“ in der Suchleiste ein und klicken dann auf den Button „Become a Fan“ bzw. „Ein Fan werden“. So können Sie unsere Links und News verfolgen, eigene Mitteilungen auf unserer Pinnwand veröffentlichen, Ihren Facebook-Freunden vorschlagen, sich mit uns zu verlinken, etc. Der Zugang zu unserer Facebook-Seite ist offen, wir bieten hier also sowohl VDD-Mitgliedern als auch Nicht-Mitgliedern eine Kommunikationsplattform an. Für den internen Austausch unter VDD-Mitgliedern dient weiterhin unser exklusives Mitgliederforum auf www.drehbuchautoren.de.

    Wir freuen uns, Sie auf Facebook zu treffen: http://bit.ly/chupML
    Bei Rückfragen, Anregungen etc. können Sie sich gerne an uns wenden: info@drehbuchautoren.de.

    *bitte nicht mit der Profilseite „Geschäftsstelle Drehbuchautoren“ verwechseln, die zur Verwaltung der Unternehmensseite dient.

    VDD-Berlinale-Empfang: Deutscher Drehbuchpreis 2010 verliehen

    Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat am 12.2.2010 im Rahmen des traditionellen VDD-Berlinale-Empfangs den Deutschen Drehbuchpreis 2010 vergeben. Der Staatsminister betonte: "Damit die Erfolgsgeschichte des Deutschen Films fortgeschrieben werden kann, brauchen wir Drehbücher von hoher Qualität als Grundvoraussetzung für das Gelingen eines jeden Films. Das außergewöhnliche Talent, gute Geschichten für gute Filme zu erfinden, muss gefördert werden. Aus diesem Grund vergeben wir heute mit dem Deutschen Drehbuchpreis die wichtigste und höchstdotierte nationale Auszeichnung für Drehbuchautoren." Zahlreiche Gäste aus Politik und Branche nahmen an der Preisverleihung in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz teil.

    Der Deutsche Drehbuchpreis ist als Förderpreis mit 30.000 Euro dotiert, wovon 25.000 Euro zweckgebunden für die Herstellung eines neuen Drehbuchs mit künstlerischem Rang zu verwenden sind. Der diesjährigen "Jury Deutscher Drehbuchpreis" gehörten an: Susanne Schneider (Vorsitzende), Prof. Thomas Baumeister, Prof. Peter Henning, Gernot Krää, Henriette Piper und Bettina Woernle.

    Preisträger ist in diesem Jahr Karsten Laske. Er erhält die Auszeichnung für sein noch nicht verfilmtes Drehbuch "Mein Bruder, Hitlerjunge Quex". Der Verband Deutscher Drehbuchautoren gratuliert herzlich!

    Die Laudatio der Juryvorsitzenden Susanne Schneider:

    http://bit.ly/d2HePC

    Fotos der Veranstaltung:

    http://bit.ly/bA8vIR

    Zur Pressemitteilung mit weiteren Ausschnitten aus der Rede des Kulturstaatsministers:

    http://bit.ly/abfw03

    Ehrenbär für Wolfgang Kohlhaase

    Wolfgang Kohlhaase hat am 17.2.2010 den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk erhalten.
    „Hanna Schygulla und Wolfgang Kohlhaase stehen beide gleichermaßen für Erneuerung und Aufbruch – im Westen und im Osten Deutschlands. Hanna Schygullas Name ist untrennbar mit den Filmen Rainer Werner Fassbinders verbunden. Wolfgang Kohlhaase schlug bereits in seinen ersten gemeinsamen Arbeiten mit dem Regisseur Gerhard Klein eine für die DEFA neue Richtung ein“, kommentiert Berlinale-Direktor Dieter Kosslick die Ehrungen. Und Dr. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, die die Hommage verantwortet, erklärt: „In Wolfgang Kohlhaase findet sich der seltene Fall eines Autoren, dessen Name stets in einem Atemzug mit dem des Regisseurs genannt wird. Das Gespür für Authentizität in seinen Figuren wie in seinen Geschichten, seine lakonische, sehr ökonomische Sprache und seine feine Ironie sind ein Glücksfall für das deutsche Kino....“.

    Der Verband Deutscher Drehbuchautoren gratuliert herzlich!

    Die wunderbare Dankesrede von Wolfgang Kohlhaase zur Verleihung des Goldenen Ehrenbären:

    http://bit.ly/bX2Jd1

    "Worte mit Fügeln"
    Hommage an Wolfgang Kohlhaase

    Von Jochen Brunow

    „Ist ohne Frühstück“ und „Ist auch ohne Diskussion.“ So enden one night stands, zuerst auf dem Papier des Drehbuchs, dann auf der Leinwand und schließlich auch in dem einen oder anderen normalen Leben. Wenn die Dialoge, die man geschrieben hat, zu geflügelten Worten werden, hat man als Drehbuchautor sehr viel erreicht. Wenn diese Sentenzen auch noch den ganz speziellen, unverwechselbaren Klang ihres Autors transportieren, dann hat man so etwas wie eine Marke geschaffen, ein Vorgang den Amerikaner „branding“ nennen. Und man darf sich als Autor schon mal selbst zitieren, so wie es Wolfgang Kohlhaase in „Sommer vorm Balkon“ tut.

    Der vollständige Text hier:
    http://bit.ly/94qaoi

    FFA - Drehbuchförderung

    Der FFA-Haushalt wurde im Februar verabschiedet, 937.462 Euro stehen der Drehbuch-Kommission im laufenden Jahr zur Verfügung. Dazu gibt es noch die Fortentwicklungsförderung, die verstärkt beworben und genutzt werden soll, diese ist Teil des Topfes, der von der FFA-Vergabekommission vergeben wird.

    Bei der Drehbuchförderung gibt es nun 2 Fördermodelle:
    1.die reguläre Förderung, bei der bis zu 30.000 Euro vergeben werden (in Ausnahmefällen auch 50.000 Euro)
    2.die Ideenförderung*, bei der eine Idee, die auf bis zu 3 Seiten beschrieben wird, eingereicht wird und die Ausarbeitung des Treatments oder der ersten Drehbuchfassung mit in der Regel 10.000 Euro gefördert wird.

    Für das Jahr 2010 wurden folgende Einreichtermine festgelegt: 15. Januar, 30. März, 15. Juli und 30. September.

    Fragen zur Drehbuchförderung beantwortet gerne Birthe Klinge (FFA / Tel.: 030 - 27 57 7 – 416 / klinge@FFA.de), auch die VDD-Geschäftsstelle steht für Rückfragen zur Verfügung.

    *eigentlich „Förderung zur Herstellung von Drehbuchvorstufen“

    Unternehmer rettet Emder Drehbuchpreis

    Der Spediteur Jakob Weets fördert den Wettbewerb beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney. Der renommierte Emder Drehbuchpreis wird in diesem Jahr nun doch erneut ausgeschrieben. Die Presseerklärung im Wortlaut sowie die Datails zur Ausschreibung hier:
    http://bit.ly/bmmG1m

    Füllhorn, fliederfarben - SCENARIO 4 ist erschienen

    Die vierte Ausgabe des Film- und Drehbuch-Almanachs SCENARIO ist erschienen. Als wäre es abgesprochen, diesmal farblich passend zur Berlinale-Jubiläums-Tasche in violettem Einband.

    Der Herausgeber und seine Autoren bieten zwischen den Buchdeckeln auch in diesem Jahr eine Fülle von Anregungen, Erkenntnissen, Reflexionen und Ausgrabungen. Jochen Brunow leitet die Textsammlung mit einem nachdenklichen und warnenden Vorwort ein, in dem er im Hinblick auf den Fall Heinze als „Spitze des Eisbergs“ unter anderem „Glasnost im nach außen geschlossenen System der öffentlich-rechtlichen Sender“ fordert.
    Die bewährten Almanach-Rubriken wurden beibehalten: ...

    Die Fortsetzung der Rezension von Heiko Zupke hier http://bit.ly/bnh8ji

    Berlin im März 2010