Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

SCRIPTonline Newsletter 2

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PREISE
HINTERGRUND
INTERNA

Zwischen Zeiten – Grußwort des Vorstands

Der Streik der US-Autoren hat ein Fenster zum öffentlichen Bewusstsein aufgestoßen. Die offizielle Anerkennung unseres Berufsstandes nimmt spürbar zu, was sich auch in Preisen wie dem Silbernen Bären für das beste Skript – erstmals vergeben im letzten Jahr – und der stärkeren Förderung des Drehbuchs in der Novellierung des Filmförderungsgesetzes niederschlägt. In beiden Fällen hat der Verband deutscher Drehbuchautoren auf die Entscheider kraftvoll eingewirkt – nun gehen wir auch selbst unter die Preisverleiher, treten aus den Kulissen: Erstmals hat Kulturstaatsminister Neumann im Rahmen des VDD-Empfangs auf der Berlinale die Lolas für das beste unverfilmte Drehbuch verliehen. Auf dem Fest am 6. Februar wurde auch gleich noch ein zweiter, ein genuiner VDD-Preis aus der Taufe gehoben: Gemeinsam mit dem Krimi-Festival „Tatort Eifel“ werden wir künftig den CLOU für das beste Krimikonzept vergeben.

Trara, Täterä und Event-Charakter stimmen also, könnte man meinen. Gleichzeitig aber sind Inhalte bedroht wie nie. Das Netz, von vielen als rechtsfreier Raum empfunden und als Selbstbedienungsladen genutzt, ist die Herausforderung für Programmentwickler und -anbieter – und für den VDD und seine Verhandlungspartner bei den Sendern. Jenseits großer Gesten müssen hier Lösungen gefunden werden, die das geistige Eigentum schützen und den Lebensunterhalt derer, die über Spielereien und narzisstische Selbstpräsentation hinausgehenden „content“ stellen. In der globalen Bilderflut droht sonst eine einfache Wahrheit unterzugehen: Der Marktplatz ist nicht die Ware selbst. Der historische Moment, in dem plötzlich Milliarden glauben, beides umsonst zu kriegen, darf nicht zum Moment der Freiheit verklärt werden und Technologieverkäufer, sie mögen sich noch so innovativ gerieren, nicht zu neuen Che Guevaras. Film bleibt ein teures Gut, und wer will „Befreiung“ von fundiert erzählten Geschichten?

So ist unsere Situation, die Situation der Geschichtenerzähler zwischen den Zeiten: Wir werden gekrönt, während uns die Brieftasche geklaut wird. Da aber niemand Prinz und Bettelknabe gleichzeitig sein will, entscheiden wir uns für den goldenen Mittelweg: Gemeinsam mit anderen für eine Sicherung unseres Berufes zu kämpfen. Jene „Player“ am Markt, die durch Gebührenfinanzierung und öffentlich-rechtliche Einbindung weiterhin stark sind, breit aufgestellte Organisationen wie die VG Wort, nahe Verwandte wie der BVR, letztlich aber wohl auch die Privatsender mit ihrem vitalen Interesse, ihre Hauptschlagader Fiction fließend zu erhalten, sind sich der Probleme bewusst, auch wenn sie zur Zeit nicht alle lösen können. Einige Signale in unseren Verhandlungen, aber auch in der FFA (s.u.), deuten darauf hin, dass diesmal eine schwierige Situation tatsächlich eine Chance sein könnte, zusammenzurücken und einstige Streitpunkte als gemeinsame Ziele neu zu definieren.

Das wäre dann wirklich so etwas wie ein historischer Moment.

Für den Vorstand: Sebastian Andrae

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NEWS

//Der VDD spricht sich gegen Product Placement im Fernsehen aus

Das Thema versteckte Werbung im Fernsehen (Product Placement) wird zur Zeit in der Rundfunkkommission erörtert. Dieses Thema erfüllt die Autoren in Deutschland mit großer Sorge. Der VDD spricht sich entschieden gegen das Product Placement aus und fordert die Politik auf, weiterhin an einem ausnahmslosen Verbot festzuhalten.
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//FFA – Licht am Ende des Kinosaals?

Die Vertreter der Kinobetreiber in der FFA sind wohl selbst erschrocken über die Folgen der Klage, mit der einige ihrer Kollegen die Filmlandschaft in Deutschland in eine tiefe Krise getrieben haben. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht Leipzig Ende Februar die Rechtmäßigkeit der Filmabgabe zwar grundsätzlich bestätigt, aber an der ungleichen Verteilung der Abgabepflichten verfassungsrechtliche Bedenken angemeldet hat, wurden die FFA-Gelder gewissermaßen auf „standby“ geschaltet. Mit der Herausgabe vorläufiger Förderbescheide nach der Sitzung der Vergabekommission am 24. und 25. März und der Unterkommission Drehbuch am 27. März war die Krise bei den Filmemachern angekommen. Denn Kinoträume mögen virtuell sein – aber wer kann eine Kino-Produktion mit „virtuellem Geld“ stemmen?
FFA-Vorstand Peter Dinges äußerte sich zwar zuversichtlich, dass nach der Aufstellung eines neuen Haushaltes zumindest die Entscheidungen der Vergabekommission ihre Vorläufigkeit verlieren würden – ihr Etat speist sich aus den vom Leipziger Richterspruch ungefährdeten „Fernsehtöpfen“ sowie dem Anteil der Videowirtschaft -, aber der Flurschaden schien beträchtlich: Die Sitzung der deutsch-französischen Kommission wurde ausgesetzt, und es ist weiterhin fraglich, ob sie in diesem Jahr überhaupt tagen kann. Auch die Fördergelder der Drehbuchkommission sind nach Herkunft und Bestimmung durch die Verträge der FFA mit den Beitragszahlern ebenso festgelegt wie gefährdet.
Nach der Ermahnung des Kulturstaatsministers an die Branche (natürlich speziell die klagenden Kinobetreiber), nicht an dem Ast zu sägen, auf dem man säße, wurde jedoch hinter den Kulissen der Filmförderungsanstalt, im Verwaltungsrat und im Dialog mit der Politik mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet, die das vom BVerwG angeforderte Urteil des Verfassungsgerichts überflüssig machen würde. Am 30. April 2009, 11:00 Uhr, wird in Berlin eine außerordentliche Sitzung des Verwaltungsrates stattfinden, in der der neue Entwurf des Wirtschaftsplans der FFA zur Genehmigung vorgelegt werden soll. Im Vorfeld hiess es, dass darin die Kürzungen geringer sein könnten als zunächst befürchtet, da sowohl der Verleiheranteil der unter Vorbehalt gezahlten Kinogelder als auch die Anteile der digitalen Verwertung angezapft würden. Sollten die Kürzungen damit überschaubar gehalten werden können, wäre hiermit immenser Schaden von der deutschen Kinoproduktion abgewendet.
Sebastian Andrae
Vertreter des VDD in der FFA-Vergabekommission

//Der VDD gratuliert: Christina Kallas erneut Präsidentin der FSE

Unser ehemaliges Vorstandsmitglied Dr. Christina Kallas ist bei der jährlichen Mitgliederversammlung der FSE (Federation of Screenwriters in Europe), der Dachorganisation der europäischen Drehbuchautoren-Verbände, am vergangenen Samstag erneut zur Präsidentin gewählt worden, dieses Mal für zwei Jahre (statt bisher einem), da der Wahlturnus geändert wurde. In den Vorstand wurden außerdem gewählt: Sven Baldvinnson, Stan Semerdjiev, David Kavanagh, und Gino Ventriglia.
Mehr lesen Sie bitte hier

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PREISE:

//„Unser Preis“: DER CLOU

In Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) vergibt das Krimifestival Tatort Eifel erstmals einen Preis für das beste Krimi-Konzept. Einsendeschluss für den „CLOU“ ist der 30. April 2009. Weitere Informationen und den Link zu den Teilnahmeunterlagen finden Sie hier

//Grimme-Preisträger 2009

Die Jurys haben entschieden: Zwölf TV-Produktionen und Spezialleistungen werden in diesem Jahr mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. So z.B. das Autorenteam Volker A. und Eva Zahn für "Ihr könnt euch niemals sicher sein" (ARD/WDR) und der Autor Bora Dagtekin für "Doctor’s Diary“ (RTL/ORF). Alle Preisträger finden Sie hier

//Polizeistern für Beate Langmaack

Mit dem Polizeistern, einer Auszeichnung für gute Darstellung von Polizeithemen, ist die Drehbuchautorin Beate Langmaack ausgezeichnet worden. Die Begründung: "Ihre Geschichten zeichnen sich durch Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe aus, deren Grundlage ist die intensive Recherche." Langmaack schreibt Drehbücher für die Serie "Polizeiruf 110" und für die Hamburger Krimi-Reihe "Bella Block" (ZDF). 2005 erhielt sie den Adolf-Grimme-Preis "Spezial".

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HINTERGRUND:

///Buchveröffentlichungen

//Georg Tiefenbachs „Drama und Regie“

„Dramaturgie ist das Kunsthandwerk des Geschichtenerzählens im Drama. Realisierung ist das Kunsthandwerk der Umsetzung einer Geschichte durch die Regie.“ Unser Mitglied Georg Tiefenbach zeigt in „Drama und Regie“, dass nicht nur Autorschaft, sondern auch Analyse ihren Platz in unserem Verband hat. Er beschäftigt sich in seinem jetzt erschienenen Band mit dem Werk des dänischen Autor-Regisseurs Lars von Trier – zum Subskriptionspreis erhältlich im Verlag Königshausen & Neumann

//„Das Alter kommt auf meine Weise“ von Ilse Biberti und Henning Scherf

Ebenfalls abseits der Drehbuch-Pfade wandelt unser Vorstandsmitglied Ilse Biberti mit ihrer neuen Buchveröffentlichung zum Gesellschaftsthema Nr. 1: „Das Alter kommt auf meine Weise – Lebenskonzepte heute für morgen“. Gemeinsam mit Deutschlands bekanntestem Senioren-WG-Bewohner, dem Bremer Ex-Bürgermeister Henning Scherf, stellt Bestsellerautorin Biberti („Hilfe, meine Eltern sind alt!“) auf gewohnt humorvolle und konstruktive Weise die Möglichkeiten der Generation 50 plus x vor, die bald die größte Bevölkerungsgruppe in Deutschland stellen wird. Mehr Infos
hier.

Weitere Veröffentlichungen und Ausstrahlungen von VDD-Autoren in den nächsten Newslettern – schicken Sie uns gerne Ihre Projekte und Produktionen!

//Drei Farben: Blaugrün. Ziegelrot. Ockergelb

Der Film- und Drehbuch-Almanach SCENARIO ist nach 2007 und 2008 zum dritten Mal erschienen, diesmal in gelbem Gewand.
Weiteres lesen Sie hier
sowie im Drehbuchpodcast:

///Neue Podcasts www.stichwortdrehbuch.de

//Hans Zischler stellt das Jahrbuch Scenario vor

In Scenario reflektieren erfahrene Drehbuchautoren über ihre Arbeit, ihr Handwerk und ihre Kunst. Der bebilderte Almanach, der von VDD-Mitglied Jochen Brunow herausgegeben wird, enthält ein ausführliches Werkstattgespräch mit dem Autor und Regisseur Chris Kraus (VIER MINUTEN), thematisch breit gefächerte Essays, die sich mit dem Erzählen in Bildern beschäftigen, sowie einen umfassenden Rezensionsteil; zudem ist in dem Band das mit der Goldenen Lola prämierte Beste unverfilmte Drehbuch des Jahres vollständig abgedruckt.
Scenario 3- erschienen im Bertz + Fischer Verlag.

weitere Podcasts:

Dorothee Schön - Autorin des Tatort „Herz aus Eis“ (ARD)

Volker Einrauch - Autor von "Effi Briest" (Kino)

"Dr. Molly & Karl" - nach 8 Folgen abgesetzt - Drehbuchautor Martin Rauhaus dazu im Gespräch

Fred Breinersdorfer im Gespräch

///Neues Internetportal: www.updatefilm.de

Updatefilm.de ist ein neuartiges Internetportal, das Videobeiträge in
Form von Drehberichten, Interviews u.a. über Kino- und TV-Filme sechs
bis neun Monate vor der Premiere sowie Reportagen über kommende Stars
und Trends präsentiert.

Die Redaktion besteht aus Hans-Joachim Neumann und Oliver Schütte,
unterstützt werden sie von Frank Zeller. Er und Oliver Schütte sind
beide Autoren, beide VDD-Mitglieder und haben im vergangenen Jahr
Stichwort Drehbuch, den erfolgreichen Podcast des VDD ins Leben gerufen.

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INTERNA:

Neuer VDD-Vorstand gewählt

Bei der ordentlichen Mitgliederversammlung 2009 wurden am 6.2.2009 von den Mitgliedern des VDD folgende Drehbuchautoren in den neuen Vorstand gewählt:

Sebastian Andrae
Ilse Biberti
Dr. Knut Boeser
Jochen Greve
Prof. Peter Henning
Carolin Otto
Pim Richter

Dr. Christina Kallas, Präsidentin der Dachorganisation der europäischen Drehbuchautorenverbände mit rund 9.000 Autoren, wird als „EU-Beauftragte“ weiterhin für den Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. tätig sein.