2. Oktober 2017
 

VDD auf der Filmkunstmesse II: „Ein Film von“ ist von gestern

Autor: VDD

Bericht vom "Filmpolitischen Panel"

Leipzig, 27. September 2017. „Wir brauchen mehr Zeit und mehr Sorgfalt für die Entwicklung von Kino-Drehbüchern“, so die Forderung von VDD-Vorstand Sebastian Andrae auf dem prominent besetzten Panel. „Gerade im Arthouse-Bereich ist es der erzählerische Film, der das Publikum anzieht – und der braucht gute Erzähler!“ Stattdessen konzentrierten sich Ausbildung und Förderung in Deutschland immer noch auf Debütfilme nach dem überkommenen Auteur-Modell - eine Überforderung jener Regisseure, die nicht genuine Schreiber sind, und Unterschätzung der echten Autoren-Talente gleichermaßen. Wenn man dauerhaft höhere Akzeptanz anspruchsvoller Kinofilme aus heimischer Produktion wolle, müsse man hierzulande die Autoren stärken: „Geschichten aus der Lebenswelt unserer Zuschauer erzählen, das können wir besser als die Amerikaner.“

Nach einer Keynote der Bundesministerin für Wirtschaft, Brigitte Zypries, welche die politische Bedeutung des Kinos für eine offene und tolerante Gesellschaft hervorhob, diskutierten die Teilnehmer des Panels unter Leitung von Ulrich Höcherl (Blickpunkt Film) die Herausforderungen für den künstlerischen Film. Gastgeber Christian Bräuer (AG Kino-Gilde) betonte, dass gute Filme unverändert auf das Kino als Abspielort und Erlebnisstätte angewiesen seien: „Daran hat sich auch im digitalen Zeitalter nichts geändert – nur was auf der großen Leinwand reüssiert, hat Chancen, auch auf dem kleinen Schirm wahrgenommen zu werden.“ Marco Mehlitz, Produzent des an der Kinokasse erfolgreichen „tschick“ (fast 1 Million Zuschauer) wünschte sich mehr Mut und Freiheit für Autoren und Produzenten.

 

Diskutierten auf der Filmkunstmesse: v.l.n.r. Moderator U. Höcherl, C. Bräuer, A. Holighaus, Ministerin B. Zypries, S. Andrae , M. Mehlitz

Aber auch Mut und Freiheit müssten in einem stark konkurrierenden Umfeld mit immer mehr Filmen bezahlt werden, ergänzte Sebastian Andrae, wer packende Drehbücher wolle, könne sich nicht auf einzelne Gedankenblitze verlassen: „Die gute Idee ist unverzichtbar – aber danach brauchen Sie als Autor eben noch hundert andere.“  SPIO-Präsident Alfred Holighaus, lange Jahre mit Andrae Mitglied der FFA-Vergabekommission, bekräftigte dessen These, dass Amerikaner und Skandinavier beim der Entwicklung eine wirkungsvollere „trial-and-error“-Kultur entwickelt hätten. Es gäbe zwar keine Rezepte für „den guten Film“, und das sei ja auch gut so, aber womöglich müssten auch die großen Förderinstitutionen sich noch entschiedener dem Drehbuch zuwenden.

Nach deutlich mehr als anderthalb Stunden engagierter Debatte in der Alten Handelsbörse, die auch die Digitalisierung und damit einhergehende Dauer-Präsenz bewegter Bilder und den zuletzt mäßigen Marktanteil heimischer Filme streifte, überwog in den Resümees „besorgter Optimismus“ (Holighaus). Die Diskutanten überzogen deutlich - aber der Trend geht ja auch im Kino zur Sprengung des 90-Minuten-Formats.

 

(Text: VDD)