Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Starke Geschichten sichern die Zukunft des Kinos – VDD zur FFG-Anhörung im Ausschuss für Kultur und Medien

Im Rahmen des Novellierungsprozesses des Filmförderungsgesetzes (FFG 2017 - 2021) haben die Mitglieder des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages am Mittwoch dieser Woche insgesamt 17 Sachverständige aus allen Bereichen des Films öffentlich zum aktuellen Regierungsentwurf des Gesetzes angehört. Der VDD wurde von Vorstand Sebastian Andrae vertreten.

Sebastian Andrae hob bei dieser Gelegenheit positiv hervor, dass im Regierungsentwurf die besondere Bedeutung der Stoffentwicklung für die Zukunft des Deutschen Kinos ihren Niederschlag finde. Auch der Regierungsentwurf nimmt den Impuls des VDD zur dringend notwendigen Weiterentwicklung der Drehbuchförderung in Form einer zweistufigen Drehbuch- und Drehbuchfortentwicklungsförderung sehr weitgehend auf und setzt ihn in konkrete Regelungen um.

Der VDD hat in seinen Stellungnahmen zur FFG-Novellierung immer wieder betont, dass sorgfältige und finanziell gut ausgestattete Stoffentwicklung die Basis für qualitativ hochwertige Drehbücher ist. Hochwertige Drehbücher werden zur Grundlage für außergewöhnliche und publikumswirksame Filme und somit für den angestrebten hohen deutschen Marktanteil. Gerade im Bereich der „mittleren Budgets“ und des zuschauerorientierten Arthouse-Films vermutet der VDD nach intensivem Austausch mit allen Branchenkräften die stärkste Förderwirkung.

Im Kulturausschuss wurde auch darüber diskutiert, in welcher Weise sich die Beteiligung von AutorInnen und RegisseurInnen an der Referenzfilmförderung auf die Kreativen auswirken könnte. Es wäre aus Sicht des VDD zu begrüßen, wenn auch die Mitglieder des Bundestages endlich die Notwendigkeit erkennen, im FFG Instrumente zu verankern, die talentierten ErzählerInnen Kinokarrieren erleichtern. Die Beteiligung an den Referenzmitteln wäre ein praktikables Instrument mit Hebelwirkung.

Völlig unverständlich angesichts der aktuell branchen- und parteiübergreifend anerkannten Bedeutung der Stoffentwicklung ist die im Gesetz verankerte Quotierung von mehr als 60 % Vertretern der Verwerterseite bei der Besetzung der neuen, verschlankten Vergabegremien. Hierzu gab es deutliche Kritik nicht nur vom VDD, sondern unter anderem auch von Produzenten, Dok-Filmern und Regisseuren. Die Deutsche Filmakademie hatte bereits zuvor in einer Stellungnahme die Quotierung mit klaren Worten abgelehnt.

Es ist absurd, dass das FFG im Regierungsentwurf den Verwertern ein geradezu exklusives Know-How für die Entdeckung von Stoffen mit herausragendem Marktpotenzial unterstellt. Die mehrheitliche Besetzung der Vergabegremien mit Verwertern soll dem primären Schwerpunkt der wirtschaftlichen Förderziele der FFA - in Abgrenzung zu den kulturellen Förderzielen der BKM – angeblich besonders dienlich sein. Wenn man aber davon ausgeht, dass für das deutsche Kino auch die Anhebung des Markanteils der so genannten mittleren Filme im Arthouse- und Crossoverbereich entscheidend ist, kann Marktkenntnis allein kaum die entscheidende Expertise sein. Damit Kinofilme in Konkurrenz zu neuen Playern am Medienmarkt wie netflix und amazon Akzeptanz in einem möglichst breiten Zuschauersegment finden bzw. halten können, bedarf es starker Kino-Geschichten mit unverwechselbarer Identität und Radikalität in Inhalt und Form. Diese zu erkennen und zu fördern bedarf es nicht nur Vermarkter mit Gespür für Stoffqualitäten, sondern insbesondere Sachverständiger, die unmittelbare Kenntnis von kreativen Prozessen in der Stoffentwicklung und Produktion haben und wissen, wie man sein Publikum erreicht.

Dem Verwaltungsrat sollte ermöglicht werden, die für die Gremienarbeit am besten geeigneten Personen frei auszuwählen – unabhängig ob sie Kreative, Produzenten oder Verwerter sind und ohne gesetzliche Quote. Die Qualität des Films wird ohnehin nicht durch seine Verwertung, sondern wesentlich durch die zugrundeliegende Geschichte und kreativ-künstlerische Entscheidungen bestimmt. Insbesondere die Beurteilung und Begleitung von Drehbüchern erfordert Spezialwissen.

Die vollständige Stellungnahme des VDD zum Regierungsentwurf finden Sie im Anhang.

Die Anhörung im Bundestag kann vollständig in der Mediathek des Ausschusses für Kultur und Medien abgerufen werden.

http://www.bundestag.de/mediathek/?action=search&contentArea=details&off...