Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Mehr Investitionen für ein besseres Programm. Eine Alternative zur Senkung des Rundfunkbeitrags

Gemeinsam mit sieben weiteren Film- und Fernsehverbänden appelliert der VDD in einem offenen Brief an die MinisterpräsidentInnen der Bundesländer, Investitionen in ein besseres Programm der öffentlich rechtlichen Sender einer Senkung des Rundfunkbeitrages vorzuziehen:

„Im fiktionalen Programmbereich sind in den letzten zehn Jahren zum Einen weniger Filme in Auftrag gegeben worden, zum Anderen ist bei der Herstellung der reale (= inflationsbereinigte)Produktionswert pro Film um beinahe ein Drittel der Kosten gesunken.
Hersteller fiktionaler Programme sind überwiegend mittelständische Filmproduktionen, deren – oft einzige - Auftraggeber die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind, die damit eine dominierende wirtschaftliche Marktmacht besitzen. Drastische Kürzungen der Herstellungsbudgets, stagnierende oder sinkende Gagen/Honorare, die Verdichtung der Arbeitsleistung durch eine Reduzierung der Produktionstage bei gleichzeitiger Erhöhung der täglichen Arbeitszeit schaffen für Kreative,Produzenten und weitere Filmschaffende immer öfter Arbeitsverhältnisse am Rande der sozialen Verträglichkeit. Programmqualität wird unter diesen Bedingungen zu Lasten der Produzenten und Urheber aufs Spiel gesetzt, das Ausschöpfen von Innovationspotenzialen blockiert. Hinzu kommt,dass die Sendeanstalten gleichzeitig ihre Nutzungs- und Verwertungsmöglichkeiten der Filme erweitern, jedoch vermehrt nur noch Einmalvergütungen mit der alternativlosen Abgabe aller weiteren Rechte anbieten. Bereits im letzten KEF Bericht bemerkte die Kommission hierzu: „Die ARD-Rundfunkanstalten erbringen die zusätzlichen Einsparungen insbesondere in den Bereichen Urheber- und Leistungsvergütungen sowie Auftrags- und Ko-Produktionen.“ Dies darf nicht so weitergehen!
ARD und ZDF haben in ihren Anmeldungen zum Programmaufwand für 2017 – 2020 einen Mehrbedarf von 337,5 Mio.€ angemeldet, der endlich ausgewogeneren Vertragsbedingungen bei Fernsehauftrags- und Kino-Ko-Produktionen ermöglichen und das heißt: finanzieren soll. Von diesem Mehrbedarf hat die KEF wegen nicht ausreichend nachgewiesener Berechnungen des Mehrbedarfs jedoch nur 75% genehmigt. Wir anerkennen ausdrücklich das Bemühen der Anstalten, mit diesen Anmeldungen die fatale Entwicklung der letzten Jahre im Programmbereich umzukehren und dem Programm und damit dem eigentlichen Auftrag der Anstalten wieder mehr Bedeutung zukommen zu lassen. Und wir danken der KEF dafür, dass sie diese Gegebenheiten erkannt und den Mehrbedarf im Programmbereich mit immerhin 75% anerkannt hat.
Wir sind allerdings der Überzeugung, dass der von ARD und ZDF für die Gebührenperiode 2017 – 2020 angemeldete Mehraufwand materiell in der Tat in voller Höhe berechtigt war und auch weiterhin erforderlich ist, um die Fehlentwicklungen der letzten Jahre umzukehren und dem Programm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wieder die Bedeutung und Wertigkeit zukommen zu lassen, auf die die Bürger zu recht Anspruch erheben. Aufgrund des ermittelten Gebührenüberschusses von 542,2 Mio.€ fordern wir deshalb, den angemeldeten Mehrbedarf unter Nachweis der Verwendung zu 100%, also mit 337,5 Mio.€, anzuerkennen. Weitere 200 Mio.€ sollten als Rücklage für den ab 2021 zu erwartenden finanziellen Mehrbedarf genutzt werden. Die verbleibende Differenz zum Gesamtüberschuss sollte als Innovationsförderung in das Programm fließen, und hier vor allem in hochwertige fiktionale Auftrags- und Kino-Ko-Produktionen, die das Potential auch für den internationalen Markt haben sollten.
Wir plädieren dafür, den Rundfunkbeitrag weder zu senken noch die Mehreinnahmen ausschließlich als stille Reserve für den leider aufgrund von Pensions- und Verwaltungskosten-Lasten noch immer wachsenden Finanzbedarf der Sendeanstalten zu nutzen. Die überschüssigen Mittel sollten den Sendeanstalten zweckgebunden für Programminnovationen überlassen werden. Eine Investition in die Auftrags- und Ko-Produktion von Filmen wäre ein Gewinn für Alle."

Das vollständige Schreiben finden Sie im Anhang.