Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Augen auf! Kino schreiben für Kinder – das Fachgespräch des VDD im Festivalzelt auf dem Filmfest 2013

Die zweite von den beiden VDD-Veranstaltungen auf dem diesjährigen Filmfest Hamburg war hochkarätig besetzt:

Auf Einladung des Verbands aus München angereist waren zwei der angesehensten deutschen Produzenten für Kinder- und Jugendfilme, Ewa Karlström von samfilm (Die wilden Kerle, Fünf Freunde, Ostwind) und Christian Becker, Geschäftsführer von Ratpack Film (Wickie, Vorstadtkrokodile, V 8 – Du willst der Beste sein). Den „Local Hero“ gab der Regisseur und Autor Arend Agthe aus Hamburg (Flußfahrt mit Huhn, Karakum), moderiert wurde der Abend vom Hamburger VDD-Vorstand Sebastian Andrae.

Vor einem sehr konzentrierten und diskussionsfreudigen Publikum ging die Runde der Frage nach, ob der große, budgetstarke „Markenfilm“ und der anspruchsvolle, kleine Kinderfilm sich gegenseitig die Zuschauer abjagen oder ob es eine Koexistenz zugunsten einer reicheren Kinderfilmlandschaft geben kann.

Arend Agthe betonte den Primat eines lebensnahen Stoffes: Kinderfilme sollten etwas mit der Wirklichkeit von heute zu tun haben, die Probleme der Kinder ernst nehmen. „Marken“ seien hier zweitrangig. Die Münchner Produzenten wiesen darauf hin, wie immens schwierig es sei, die Aufmerksamkeit gerade von jungen Zuschauern zu gewinnen. Eingeführte Labels könnten hier hilfreich sein, oft aber würde der Filmerfolg eher den Bucherfolg nach sich ziehen als umgekehrt. Games, Smartphones und das Internet aber machten fast jeder Neuerscheinung das Leinwandleben immer schwerer.

Seitenblicke nach Skandinavien und Holland – können die es wirklich besser? Und was machen sie anders? –ergänzten den durchaus selbstbewussten Blick auf das eigene Schaffen der Filmemacher, deren Werke für ein junges Publikum regelmäßig zu den „Hits“ der FFA-Liste der geförderten Filme gehören.

Die womöglich aufschlussreichste Fragerunde kreiste um das Thema Zusammenarbeit mit Autoren. Während Ewa Karlström die Wichtigkeit langjähriger Zusammenarbeit mit ihren Autoren(teams) bekräftigte, sucht Christian Becker regelmäßig auch den Kontakt zu neuen Kräften. Dass die Wellenlänge stimmen müsse, das „innere Kind“ noch wichtiger sei für die Beurteilung von Stoffen als eigene Kinder, darin waren sich alle Beteiligten einig.

Im Anschluss an die Diskussion standen die Produzenten und Filmemacher dem Hamburger Publikum für Fragen zur Verfügung.

alle Bilder: Martin Kunze
mit Dank an das Filmfest Hamburg

Wickie gegen Raffi – oder geht’s auch gemeinsam? (v.l.: Christian Becker, Ewa Karlström, Sebastian Andrae, Arend Agthe)
Im Vergleich mit den USA sind auch vermeintlich große deutsche Budgets eher klein, erklärt Ewa Karlström.
Wir müssen uns gegen Grand Theft Auto und andere Game-Hits behaupten, weiß Christian Becker.
Was muss ein guter Autor mitbringen? Sebastian Andrae befragt Christian Becker.
Plädoyer für die Fantasie: Arend Agthe dreht zur Zeit „Rettet Raffi!“ nach einem eigenen Kinderroman.