Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Buchtipp: „Storytelling für Journalisten“ – auch für Drehbuchautoren interessant.

Dem Film entlehnte oder von ihm inspirierte Stilmittel waren in der modernen Literatur nichts Neues mehr, als sie - vor allem auf dem Gebiet der Reportage - auch im Journalismus auftauchten. Spätestens mit der „new journalism“-Bewegung in den 1970ern setzten sie sich dann allgemein durch. Lebendig und gut geschriebene Reportagen und Berichte haben heute streckenweise oft Ähnlichkeiten mit (Dok)Film-Exposés, weil sie dramaturgisch durchgestaltet werden: Ihre „Helden“ durchleben eine szenisch aufgelöste Heldenreise, es gibt harte Schnitte, es gibt Rahmengeschichten, Rückblenden, Parallelgeschichten und ausgeformte Wendepunkte, abstrakte Themen und Thesen werden personifiziert, man findet Dialogsequenzen und sorgfältig ausgewählte Detailbeobachtungen, die im Sinne von pars pro toto möglichst sofort eine Person oder eine Situation vor Augen führen.

Diese Entwicklung ist nicht zufällig. Den Lesern – zu denen natürlich auch Produzenten und Redakteuren gehören – bleiben solche Geschichten besser im Gedächtnis hängen. Nicht von ungefähr ist auch die Verfilmung von „true stories“ so beliebt, deren Drehbüchern neben Erfahrungsberichten der Betroffenen oft Reportagen oder Tatsachenromane in der Tradition von Capotes „In Cold Blood“ zugrundeliegen. Viele Schriftsteller und Drehbuchautoren ließen und lassen sich ja auch durch Zeitungen und Zeitschriften inspirieren und führen einen Zettelkasten mit Ausschnitten, um daraus Honig für fiktionale Stoffe zu saugen.

Es liegt also nahe, Schreibtechniken, die eine Reportage lebhaft und einprägsam machen können, auch auf ihre Tauglichkeit für die Prosa-Produktion von Drehbuchautoren abzuklopfen. Die beiden Verfasser der Neuerscheinung „Storytelling für Journalisten“ aus der Reihe „Praktischer Journalismus“ des UVK-Verlags erläutern - selbst angenehm unprätentiös und auf die tägliche Schreibarbeit konzentriert - eine Vielzahl von Methoden und Werkzeugen. Alle sind für sich genommen nicht neu und in der einen oder anderen Form auch in vielen Creative Writing Anleitungen zu finden. Vor allem durch die Auszüge aus best-practice-Reportagen der letzten Jahre sowie durch Negativbeispiele und Erfahrungsberichte von Journalisten werden sie aber hier praxisnah, anschaulich und didaktisch überzeugend präsentiert.

Nicht jeder Tipp und jede Empfehlung lässt sich naturgemäß unmittelbar auf das Schreiben von Exposés für fiktionale Formate übertragen. Aber die zusammenfassende Checkliste in Kapitel 8 zeigt, dass viele Überlegungen und Anregungen auch DrehbuchautorInnen helfen können, das Beste aus ihrer Geschichte im Sinne von Lesbarkeit, Lebendigkeit und damit auch Verkäuflichkeit herauszuholen. Neben einer guten Idee und „Schreibe“ machen oft schon verhältnismäßig kleine strukturelle und inhaltliche Kniffe und gezielte Überarbeitungen einen Text deutlich stärker und heben ihn aus dem Mittelmaß heraus.

Heiko Zupke

Marie Lampert; Rolf Wespe: Storytelling für Journalisten. UVK Verlagsgesellschaft, Reihe „Praktischer Journalismus“ Band 88, Konstanz 2011. ISBN 978-3-86764-240-8, € 24,90.