Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

PRESSEMITTEILUNG: Noch mehr Investition in den Sport bei ARD und ZDF bei zeitgleicher Kürzung der Mittel für Filme und Serien - es reicht!

Die ARD wird in den kommenden drei Jahren 54 Millionen Euro für Boxrechte ausgeben und begründet das damit, so die Jugend vor die Bildschirme holen zu wollen. Jetzt erreicht uns die Nachricht, dass das ZDF die Champions-League-Rechte für über 50 Millionen Euro pro Jahr erworben hat. Dazu kommt jährlich noch ein geschätzter zweistelliger Millionenbe-trag, um die dazugehörenden Sponsorenrechte abzulösen, weil ab 2013 keine Sponsoren-werbung mehr nach 20.00 Uhr gesendet werden darf. Es ist davon auszugehen, dass diese Summe die Kosten für die Übertragung von "Tour de France" und Boxen, die künftig beim ZDF wegfallen, übersteigen wird. Doch wo kommt das Geld dafür her? Sollen die Kreativen die Spardose dafür sein?

Genaue Zahlen werden trotz Nachfragen nicht offen gelegt. Es ist aber davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren Millionen von Euro zusätzlich in den Sportbereich von ARD und ZDF flie-ßen werden. Parallel dazu wollen die beiden öffentlich-rechtlichen Sender z.B. die Honorare der Drehbuchautoren um ungefähr ein Drittel beschneiden.

Für die Entwicklung von Drehbüchern wird seit Jahren von den Sendern immer weniger Geld be-reitgestellt. Das führt dazu, dass Geschichten immer schneller entwickelt werden müssen. Auf-wändige Recherchen sind kaum noch möglich. Aber nicht nur die Drehbücher, auch die meisten Filme oder die beliebten täglichen und wöchentlichen Formate müssen immer billiger produziert werden. Jeder kann das sehen, wenn z.B. Passagen im „Tatort", in denen sich die Kommissare gegenseitig Handlungen und Motive der Figuren erklären, immer länger werden, statt diese Hand-lungen und Motive in Bildern zu zeigen. Stunts, aufwändigere Aufnahmen und längere Nachtdrehs sind kaum noch finanzierbar. Und das selbst bei Prime-Time-Formaten, die in der Regel mehr Zuschauer versammeln als die eingekauften Sportereignisse.

Filmerzählungen sind ein wichtiger Vermittler gesellschaftspolitischer Prozesse. Möglichst alle Teile der Gesellschaft in einem Fernsehprogramm abzubilden und damit gesellschaftliche Diskus-sionen und Prozesse anzustoßen, gehörte jahrzehntelang zum Grundauftrag und Grundverständ-nis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Angesichts der jüngsten Entwicklungen machen wir uns Sorgen, ob das auch noch in Zukunft gelten wird.

Verband Deutscher Drehbuchautoren
Der Vorstand

Berlin, den 7. April 2011

Rückfragen und Interviews:
Verband Deutscher Drehbuchautoren
Katharina Uppenbrink
uppenbrink@drehbuchautoren.de