Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Deutscher Filmpreis 2011 - Dankesrede von Wolfgang Kohlhaase

Meine Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

der erste Impuls, aus dem ein Film werden kann, eine Lust oder ein Schmerz oder beides, ein Charakter, ein Konflikt, der Umriss einer Handlung oder eine Tonlage, was es auch sei, dieser erste Impuls ist oft die Sache der Autoren. Der Anfang, sagen die Chinesen, ist der halbe Weg. Aber Drehbücher schreibt man bei offener Tür. Immer tritt jemand ein und sagt etwas und fragt etwas, während ich ein endgültiges Zwischenprodukt herstelle, eine Mischung aus Poesie und Gebrauchsanweisung. Was erzählt man wem, warum? Und wie machen wir es gemeinsam richtig? Ich versuche, den Zuschauer für einen Nachbarn zu halten, den ich nicht langweilen will. Ich wünsche ihm im Kino die Teilnahme an anderer menschlicher Existenz, möglicherweise entdeckt er dabei sich selbst. Die Welt hat wenige Gewissheiten und neben den Computern wohnen die Rätsel. Vielleicht hilft es der Hoffnung, die wir brauchen, dass Menschen sich Geschichten erzählen. Ich danke der Akademie für diesen Preis. Es ist eine große Ehre. Ich bin nicht nur erfreut, sondern auch ermutigt. Und das braucht man in jedem Alter.

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