Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Unangemessen …

nennt der Vorstand des VDD Aussagen der Verantwortlichen von ARD und ZDF. Mit Blick auf die Rundfunkkommission der Länder behaupten die Sender, dass sie den Kreativen, insbesondere den Drehbuchautoren, „auch in Zukunft faire und ausgewogene Vertragsbedingungen“ anbieten.

Tatsächlich läuft das einzige – unannehmbare – Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender auf eine erhebliche ABSENKUNG um effektiv rund 25% der Honorare hinaus. Deshalb hat der Verband Deutscher Drehbuchautoren an den Vorsitzenden der Rundfunkkommission Ministerpräsident Kurt Beck folgenden Brief geschrieben:

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Berlin, 4. Februar 2011

Verhandlungen über gemeinsame Vergütungsregeln mit der ARD und dem ZDF

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

seit einiger Zeit finden Verhandlungen über angemessene Vergütungen für urheberrechtliche Leistungen zwischen der ARD, dem ZDF, der Produzentenallianz und uns, dem Verband Deutscher Drehbuchautoren, statt. In unserem Verband ist ein erheblicher Teil der deutschen Drehbuchautoren organisiert.

Seit Sommer letzten Jahres allerdings ruhen die Verhandlungen. Wir möchten Ihnen erläutern, warum das so ist.

Auf der Website des ZDF kann man lesen: „ARD und ZDF erkennen die Bedeutung, die Urheber- und Leistungsschutzberechtigte für die Qualitätsprogramme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben, an. Den Rechteinhabern gebührt hierfür weiterhin eine angemessene Vergütung. ARD und ZDF werden daher auch in Zukunft faire und ausgewogene Vertragsbedingungen anbieten, die Urhebern, ausübenden Künstlern und unabhängigen Produzenten angemessene und marktgerechte Vergütungen sichern“

Die Verhandlungen ruhen seit Sommer, weil das Angebot von ARD und ZDF eben nicht angemessen ist, es ist nicht ausgewogen, und es ist auch nicht fair, weil es die seit Jahren gezahlten Honorare deutlich unterbietet. Das Angebot des ZDF sieht effektiv mindestens 25% weniger Honorar vor.

Der vor vielen Jahren von ver.di mit den Sendern ausgehandelte Tarifvertrag wurde lange Zeit auf die Urheber angewendet. Er ist aber weitgehend von den Sendern ausgehöhlt worden. Dem Argument der Sender, dass sie ihre Programme diversifizieren müssen (NEO, 3sat, ARTE, Dritte Programme, Spartenkanäle, Internet etc), um ihr Publikum heute noch zu erreichen, stimmen wir zu, aber es ist nicht nachvollziehbar, wieso deshalb die Honorare für Urheberleistungen gekürzt werden sollen – zumal sich in den letzten Jahren auch die Verdienstmöglichkeiten der Sender durch Auslandsverkäufe, DVDs etc erhöht haben.
Gerade die Abkommen zwischen dem ZDF, der ARD und der Produzentenallianz, in denen festgelegt ist, dass auch Filme, die die Produzenten als reine Auftragsproduzenten für die Sender hergestellt haben, nach fünf Jahren von den Produzenten kommerziell gegen eine Gewinnbeteiligung der Sender verwertet werden können, zeigen an, dass die Sender an der kommerziellen Verwertung ihrer Filme interessiert sind. Allein: Die Urheber, ohne deren Arbeit es gar keine Filme, die man verkaufen möchte, geben würde, sollen von diesen Gewinnen ausgeschlossen werden.

Wir, der Verband Deutscher Drehbuchautoren, haben in den letzten Monaten Gespräche mit dem Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage und dem Verband der Agenturen geführt. Zusammen repräsentieren wir die überwältigende Mehrzahl der deutschen Drehbuchautoren. In deren Interesse werden wir jetzt zusammen gemeinsame Forderungen an die ARD und das ZDF stellen, die sowohl die finanziellen Rahmenbedingungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit bedenken werden, aber ebenso werden wir natürlich die Interessen unserer Autoren zu bedenken haben, die heute nicht schlechter gestellt sein dürfen als noch vor Jahren, weil dann nämlich die Honorare nicht mehr angemessen wären.

Wir möchten Sie informieren, dass wir dieses Schreiben in den kommenden Tagen auf unserer Website veröffentlichen werden.

Wir erlauben uns, Sie über den Fortgang der Verhandlungen weiter zu informieren und stehen selbstverständlich für Rücksprachen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Pim G. Richter
Geschäftsführender Vorstand

Dr. Knut Boeser
Geschäftsführender Vorstand