Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Offener Brief der Schauspieler an die Stifter des Deutschen Fernsehpreises

Der folgende offene Brief des BFFS (Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler) an die Stifter des Deutschen Fernsehpreises wurde Ende letzter Woche veröffentlicht und stieß bereits auf sehr viel Resonanz. Den Brief haben neben dem VDD auch zahlreiche Kreativen-Verbände der Film und Fernsehbranche wie Regie, Kamera, Schnitt, Ton, Agentur-Verbände und ver.di mitunterzeichnet.

Sehr geehrte Stifter,

wir, die Macher fiktionaler Programme, bedauern die geplante Abschaffung der Kategorien nahezu sämtlicher Einzelleistungen für fiktionale Formate sehr. So begrüßenswert die Schaffung neuer Kategorien für Formate ist, die inzwischen Teil der Fernsehrealität geworden sind, so schädlich ist dieser Schritt für die, wie es bei jeder Verleihung bisher beschwörend genannt wurde, Königsdisziplin, nämlich den fiktionalen Fernsehfilm.

Um die Fülle und vor allem die Qualität deutscher Fernsehfilme und Mehrteiler beneidet man uns in der ganzen Welt. Diese hohe fiktionale Fernsehkultur ist Bestandteil einer Fernsehlandschaft, die dem Zuschauer trotz Quotendruck immer noch die Möglichkeit bietet, im gebührenfinanzierten Fernsehen Qualitätsformate zu sehen, die in vielen anderen Ländern nur noch über Bezahlfernsehen zu beziehen sind.

Aber eine Landschaft muss gepflegt werden, auch eine Fernsehlandschaft. Und Teil dieser Pflege ist die Wertschätzung, die den Qualitätsformaten unabhängig vom trügerischen Quotenerfolg entgegengebracht wird. Wenn die hochwertigen und – verglichen mit Reality-Formaten und Koch-Shows – relativ teuren fiktionalen Programme nicht mehr als Königsdisziplin behandelt werden, dann wird auch bald das Verständnis dafür verschwinden, dass überhaupt so viel Geld ausgegeben werden muss, um sie herzustellen. Und damit würde aus der hochwertigen Fernsehlandschaft, um die man uns beneidet, eine ziemlich gewöhnliche, ausschließlich vom Diktat der Quote geformten, wild wuchernden Fernsehschauplatz ohne Strahlkraft (und damit übrigens auch mit deutlich weniger Exportmöglichkeiten) werden.

Der Deutsche Fernsehpreis war bisher nur in zweiter Linie selbst ein Fernsehereignis, das dem Quotendruck unterworfen ist. In erster Linie war er die prestigeträchtigste Auszeichnung, die das Fernsehen zu bieten hat. Wer ihn bekam, hatte einen hohen Status in der Film- und Fernsehbranche dieses Landes. Er war ein Ausdruck der Wertschätzung der großen Fernsehsender der hiesigen Filmbranche gegenüber, die sie mit dieser beneidenswerten Fülle an fiktionalen Qualitätsprodukten versorgte.

Durch die geplante Änderung wird er seinen Status verlieren. Innerhalb der Branche wird er nicht mehr als besonders wichtig gelten. Man wird sich nicht mehr die Mühe machen, genauer zu überlegen, worin die Besonderheit eines gelungenen Films, eines gelungenen Mehrteilers besteht. Ob eine Koch-Show ihn bekommt oder ein Film, wird keinen Unterschied mehr darstellen, weil die Einzelleistungen der Königsdisziplin als nicht mehr auszeichnungswürdig gelten. Nachwuchsregisseure und Nachwuchsschauspieler werden einen Teil ihrer Motivation verlieren, innovativ zu sein, da die Mühe, sich gegen viele Widerstände durchzusetzen, um der eigenen Vision zu folgen, nicht mehr mit dieser besonderen Wertschätzung belohnt wird.

Kurz: Die fiktionale Produktion wird empfindlich geschwächt durch diese Entscheidung. In dem Bemühen, mehr Fernsehzuschauer für die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises zu interessieren, wird dieser Fernsehpreis selbst in seiner Bedeutung geschwächt und banalisiert. Bei allem Verständnis für den Wunsch, die Verleihung zeitlich zu begrenzen, möchten wir dringend an Sie appellieren, diesen Schritt noch mal zu überdenken und eine kreativere Lösung für das Längenproblem zu suchen als die radikale Ignorierung der Einzelleistungen in der Königsdisziplin, und zwar auch im wohlverstandenen Eigeninteresse.

Denn der Deutsche Fernsehpreis wird durch diesen Schritt nicht nur an Bedeutung verlieren, sondern auch an jenem Glanz, den die Verursacher dieser Einzelleistungen ihm bisher verliehen haben. Warum schließlich sollten Drehbuchautoren, Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Ausstatter, Tonmeister, Tongestalter und Filmeditoren zu der Verleihung eines Preises kommen, der ihre Leistungen übergeht?

Mit freundlichen, wenngleich sehr besorgten Grüßen,

Der Vorstand des BFFS

Diesen Brief unterstützen folgende Verbände:

Die Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände
darunter:

Der Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure – BVR
Der Bundesverband Kamera – BVK
Der Bundesverband der Fernsehkameraleute – bvfk
Der Bundesverband Filmschnitt Editor – BFS
Die Berufsvereinigung Filmton – bvft

außerdem:
Der Verband Deutscher Drehbuchautoren – VDD
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft – ver.di
Der Verband der Agenturen – vda
Der Verband Deutscher Schauspieler Agenturen