Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Brief des VDD an die Stifter des Deutschen Fernsehpreises

Der VDD hat von den Stiftern des Deutschen Fernsehpreises Ende August ein Schreiben erhalten, im dem diese noch einmal ihre Gründe für die Änderungen erläutern und bekräftigen. Da der VDD meint, dass dies eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse ist, veröffentlichen wir das Antwortschreiben des VDD hiermit:

Berlin, den 3.9.2010

Sehr geehrte Damen und Herren Stifter,

Sie werden verstehen, dass wir nach der Kürzung der Fernsehspieletats und angesichts der beabsichtigten Reduzierung der Drehbuchhonorare die Nichtbeachtung der Drehbuchautoren als einen weiteren Schlag gegen das Qualitätsfernsehen sehen.

Mit der Reform werden Boulevardsendungen und Spielshows auf dasselbe Niveau gestellt, wie das anspruchsvolle Fernsehspiel. Das kann uns nicht gefallen und entspricht nach unserer Meinung auch nicht dem öffentlich-rechtlichen Auftrag.

In anderen Ländern gilt vor allem die Fiktion als besonders kulturrelevant. In anspruchsvollen Filmen und Serien spiegelt sich die Kultur des Landes. Ihren Erzählungen kommt die besondere Verantwortung zu, Trends zu setzen, Empathie zu schaffen und Diskussionsprozesse anzustoßen. Sorgfältig inszenierte Spielfilme und moderne Serienformate, die zunehmend zu audiovisuellen Romanen geworden sind, wirken in dem einzigartigen Nebeneinander von Thema und Emotion intensiver und nachhaltiger als der Mode und der Aktualität verpflichtete Fernsehformate. Sie sind es, die als Spiegel unserer Seele den stärksten Ausdruck der gesellschaftlichen und kulturellen Identität einer Gesellschaft darstellen.

Die Stärke des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sollte ein der Qualität besonders verpflichtetes, fiktionales, mutiges Fernsehprogramm sein. Wenn es internationale Anerkennung in Form von Preisen gab, dann für die heute so genannten „schwierigen“ Fernsehspiele und Serien. Das deutsche Fernsehen gilt noch als eines der besten Programme der Welt. Damit das so bleibt, bezahlen wir für unser eigenes Fernsehprogramm und nicht für einen kommerziellen Wettbewerb mit allein der Quote und dem Kommerz verpflichteten Programmen.

Wir alle wissen, dass Anspruch zunehmend in die Nische ver¬wiesen wird. Die Neuausrichtung des Fernsehpreises wertet den anspruchsvollen Film ebenso ab, wie die ständige Verlagerung der Programmmittel hin zu billigeren und einfacher zu konsumierenden Formaten. Besondere Programme werden aus der Primetime in die Nacht verbannt, brisante Themen werden nicht mehr angefasst und herausragende Serien kommen aus dem Ausland. Damit stellt sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen auf eine Stufe mit Anbietern rein an der Rentabilität ausgerichteter Programme und gibt Stück für Stück seine Kompetenz als wichtiger Träger einer der Qualität besonders verpflichteten Kultur auf. Das fiktionale Programm dient in besonderem Maße der Publikumsbindung und verdient eine Sonderstellung. Das undifferenzierte Nebeneinander von Preisen für weitaus weniger kulturrelevante Programme wertet diese nicht auf, sondern verabschiedet sich allein von der Höchstleistung.

Einem privat finanzierten Sender kann man diese Haltung nicht übel nehmen, einem zu Zwecken der Kulturförderung hoch subventionierten Sender schon.

Da wir in der Wahrung und Förderung der Erzählkultur eine der vorrangigen Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sehen, kann uns diese Entwicklung, die in der Nichtbeachtung der besonderen künstlerischen Leistung ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat, nicht gefallen.

Da wir meinen, dass dies eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse ist, werden wir diesen Brief auf unserer Homepage veröffentlichen.

In der Hoffnung, dass Sie Ihre Reform noch einmal überdenken, verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Katharina Uppenbrink
Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V.
Geschäftsführung
uppenbrink@drehbuchautoren.de