Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Verteilungspläne der VG Wort

Verwertungsgesellschaften erzielen ihre Einnahmen durch die Rechteabgeltung privater Kopien urheberrechtlich relevanten Materials, wie Musik, Filmen, Zeitungsartikeln und ähnlichem. Das heißt, auf jedem leeren Kopiermedium (beschreibbare CD, - DVD, Leer-Videokassette, Festplatte, usw.) liegt eine im Kaufpreis versteckte Abgabe für potentiell mögliche Kopien von Privatleuten im privaten Rahmen. Diese Abgabe wird von den Verwertungsgesellschaften mit der Elektronikindustrie ausgehandelt, eingezogen und an die Urheber weitergeleitet. Die Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften sind also keine Honorare oder Honorar-Ersätze und haben nichts mit den vom Autor für sein Werk ausgehandelten Verträgen zu tun.

In den letzten Jahren hat es zwei Entwicklungen gegeben, die die gewohnten Ausschüttungen der VG-Wort immer mehr in Frage stellen. Einerseits haben die Sender ihre Ausstrahlungsstrategien verändert, bestimmte Serien werden heute in kurzer Zeit und hoher Schlagzahl durch lange Senderketten wiederholt, das gilt besonders für japanische und amerikanische Zeichentrickserien, aber auch für in- und ausländische Daily-Soaps und Telenovelas. Andererseits werden heute alle Ausstrahlungen des Fernsehen von der VG-Wort automatisiert erfasst (eine langjährige Forderung der Autogen). Beides zusammen hat zu einer wahren Explosion der gemeldeten Ausstrahlungen geführt - während sich auf der Einnahmenseite nichts verändert hat, weil heute nicht mehr Kopiermedien als früher verkauft werden. Anders ausgedrückt: der Kuchen ist gleich groß geblieben, nur die Anzahl der Stückchen hat sich vervielfacht - und das in einem Ausmaß, dass sich der Punktwert (die Berechnungsgrundlage für eine Ausstrahlung) so dramatisch verringert hat, dass ein neues Bewertungssystem gefunden werden musste, damit für eine Ausstrahlung noch ein relevanter Betrag an den Autor überwiesen werden kann.

Vor diesem Hintergrund wurde im letzten Jahr nach langer und kontroverser Diskussion aller in der VG-Wort betroffenen Autoren beschlossen, dass nur noch zwei Ausstrahlungen eines Filmes pro Halbjahr angerechnet werden, dafür aber mit dem jeweils höchsten anrechenbaren Ausstrahlungswert (eine Ausstrahlung in der Prime-Time hat einen höheren "Wert" als z.b. am Vormittag, ein Voll-Sender mehr als ein Drittes Programm usw.). Wohl gemerkt, es geht bei den Ausschüttungen der VG-Wort immer nur um die Rechteabgeltung von Privatkopien des Fernsehzuschauers. Naturgemäß werden bei der ersten oder zweiten Ausstrahlung eines Filmes aber mehr Kopien als bei der achten oder neunten Ausstrahlung des selben Filmes in kurzer Zeit gezogen - irgendwann hat den Film einfach jeder Zuschauer, der ihn sehen will, gesehen. Um die Punktwerte einer Ausstrahlung zu stabilisieren (und damit indirekt auch die langfristigen Einkünfte der betroffenen Autoren) schien diese Eingrenzung der (auch vorher nicht schrankenlosen) Wiederholungsregeln hinnehmbar.

Diese neue Regelung hat aber - wie jeder Autor an seinem Jahres-Scheck sehen konnte - leider noch nicht wirklich zu einer Stabilisierung der Einkünfte beigetragen. Dies liegt zum einen an der "Explosion" der Digitalkanäle (inzwischen über 300 deutsche Programme, die theoretisch bundesweit flächendeckend empfangbar sind) und der oben beschriebenen Wiederholungspraxis. Beides wird die Bewertungskommission der VG-Wort in Zukunft weiter beschäftigen müssen, mit dem Ziel, einen fairen Ausgleich zwischen den Autoren zu finden. (Anmerkung: In der letzten Verwaltungsratssitzung bin ich von unserer Berufsgruppe in die Bewertungskommission gewählt worden. Dort sind jetzt mit Gernot Krää und mir zwei Drehbuchautoren vertreten.)

Zum anderen liegen die Einkommensverluste aber auch an einer ärgerlichen Änderung in der letzten Novelle des Urhebergesetzes (2.Korb), die inzwischen nach Ablauf der gesetzlichen Übergangsfristen ihre befürchteten Folgen zeigt: Seit der zweiten Novelle des Urhebergesetzes werden Tarife für Kopiermedien nicht mehr staatlicherseits, sondern in offenen Verhandlungen zwischen der Elektronikindustrie und den Verwertungsgesellschaften festgelegt. Die Elektronikindustrie, die sich zu großen Teilen in amerikanischem und asiatischem Besitz befindet, zeigt in den letzten Jahren immer weniger Verständnis für deutsche Gesetzesvorgaben und Urheberansprüche. Mit der Folge, dass es praktisch keinen Tarif für kein Kopiermedium mehr gibt, der nicht umstritten ist und bis zu den höchsten Gerichten (mit den entsprechenden Kosten) durchgefochten werden muss. Das dauert, zieht sich oft über Jahre hin und führt dazu, dass inzwischen hohe zweistellige Millionenbeträge für die letzten Jahre von der Industrie ausstehen - und somit auch nicht an die Autoren ausgeschüttet werden können.

Jochen Greve

Mai 2010 / aktualisiert Juli 2010

Jochen Greve arbeitet seit 1985 als Drehbuchautor. In den vergangenen Jahren schrieb er vorwiegend Fernsehkrimis (u.a. „Tatort“, und „Das Duo“). Seit Februar 2009 ist er Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Drehbuchautoren. Er ist Mitglied im Verwaltungsrat der VG Wort.