Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Autoren tragen zunehmend das Entwicklungsrisiko – der VDD warnt vor einer Schwächung der Film- und Fernsehproduktion

Im November 2009 gaben die ARD und die Allianz der Filmproduzenten unter großem Trommelwirbel bekannt, dass sie sich als Eckpfeiler der Fernsehindustrie mit 3,5 Milliarden Umsatz und über 50.000 Beschäftigten in Zukunft insbesondere um die Entwicklung von Stoffen und Filmen kümmern werden. Eigentlich eine gute Nachricht für die Branche, hängen doch die Attraktivität und die Exportfähigkeit deutscher Film- und Fernsehproduktionen von der Qualität, Kreativität und Originalität der Stoffe ab.

Fakt ist aber, dass das Development in Deutschland mit seinen künstlerischen und wirtschaftlichen Risiken auf die Autoren abgewälzt wird.

Fakt ist, dass immer weniger Entwicklungsgelder für Film- und Fernsehformate bereitgestellt werden.
Und Fakt ist, dass die Exporte der Film- und Fernsehwirtschaft hinter denen der Niederlande und Schweden rangieren, obwohl der deutsche Markt weitaus größer ist.

Fakt ist außerdem, dass die Zuschauerbindung abnimmt, sich weite Kreise vom Fernsehen verabschieden, weil sie sich, ihre Lebenswelten, Wünsche und Probleme darin nicht mehr wieder finden.

Es gibt also dringenden Bedarf an originellen und kreativen Programmen, an nachhaltiger Entwicklung. Dazu müssten die Autoren ausreichend Zeit, Geld und stetigen Rückhalt bekommen, um solch innovative und durchaus auch populäre Programme erarbeiten zu können.
Diese Erkenntnis ist eigentlich unstrittig. Die Realität sieht aber anders aus: gerade die arbeitsaufwändigen und kreativsten Phasen, in der das Drehbuch als Fundament der gesamten Produktion erarbeitet wird, werden gar nicht oder unverhältnismäßig schlecht bezahlt. Die Entwicklung wird immer häufiger abgebrochen, die Autoren bekommen lediglich Staffelverträge und werden frühzeitig ausgetauscht, ohne für ihre Arbeit angemessen bezahlt zu werden.

Der Entwurf der Geschichte, der Aufbau der dramatischen Struktur, sowie die Recherche sind die arbeitsaufwändigste Phase der Stoffentwicklung, die gleichzeitig am schlechtesten bezahlt wird. Hier wird also die Innovationsfähigkeit schon im Fundament geschwächt.

Wir brauchen eine Stärkung der ersten Entwicklungsphase, also eine bessere und sichere Finanzierung für die Erfindung!

Die Vereinheitlichung der Programme, der mangelnde Wille zur Innovation und die Kürzung von Entwicklungsgeldern schwächen eine potentiell kraftvolle Industrie.

Anstatt das Potential der heimischen AutorInnen zu nutzen und in die Entwicklung eigener, neuer Formate zu investieren, werden Lizenzen aus anderen Ländern erworben und Abgüsse bestehender Sendungen realisiert. Die Folge sind die gleichen Programme für immer dasselbe Publikum, das nur noch einen kleinen Teil der potentiellen Zuschauer ausmacht. So wandern wichtige Teile unseres Publikums ab. Davon profitieren dann ausländische Produktionen und Lizenzgeber, die mutiger als die einheimische Fernsehindustrie in neue Formate investieren.

Wir müssen die Möglichkeiten der Digitalisierung offensiv nutzen, indem wir neue Märkte erschließen und auch neues Publikum gewinnen. Dazu gehört die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Und vor allem müssen wir in die Entwicklung neuer Formate investieren!
Eine Neuausrichtung, wie sie beispielsweise das ZDF mit seinem neuen Kanal Neo vorantreibt, muss von einer Investition in die Entwicklung unterstützt werden, auch, wenn man nicht gleich - im Sinne der Quote - erfolgreich ist. Nur so können wir das Potential des Medienstandorts Deutschland nachhaltig nutzen und auf internationale Märkte expandieren!

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist besonders in der Pflicht, in die Zukunft zu investieren.
Eine Reduzierung der Honorare und die Kürzung der Entwicklungsgelder, wie sie einige Branchenteilnehmer in ihrer eigenen wirtschaftlichen Not betreiben, führen zu einer Verödung des Angebots an neuen Stoffen. Weniger Geld zwingt zu weniger sorgfältigen Entwicklungen.

Im Interesse einer zukunftsfähigen Medienindustrie müssen wir in die Entwicklung neuer Inhalte investieren und das Potential der vorhandenen Kreativität pflegen, indem wir die AutorInnen wirtschaftlich in die Lage versetzen, Impulse für den deutschen Medienmarkt zu geben.

Wir fordern die Branche auf, mit uns die Drehbuchentwicklung wieder auf eine solide Basis zu stellen, um die Qualität zu sichern und unsere gemeinsamen Chancen auf dem globalen Markt besser nutzen zu können.

Der Vorstand des Verbands Deutscher Drehbuchautoren

Sebastian Andrae
Ilse Biberti
Dr. Knut Boeser
Jochen Greve
Prof. Peter Henning
Carolin Otto
Pim G. Richter

März 2010

Weitere Informationen:
Katharina Uppenbrink (Geschäftsführung)
Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V.
+49 / (0)30 / 25 76 29 71
uppenbrink@drehbuchautoren.de