Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Trotz Rekord-Ergebnis der VG Wort 2008: geringere Schüttung im audiovisuellen Bereich

In den vergangenen Wochen haben Autoren immer wieder bei der VG WORT angefragt, weil sie sich über das Missverhältnis der stark gestiegenen Einnahmen der VG WORT 2008 zu den im selben Jahr gleichzeitig deutlich gesunkenen Ausschüttungen im audiovisuellen Bereich geärgert haben.

Generell ist zum „Rekordergebnis“ der VG WORT – die Einnahmen sind von 89 Mio. im Jahr 2007 auf rund 118 Mio. Euro im Jahr 2008 angestiegen – zu sagen, dass die Steigerung im Wesentlichen auf Nachzahlungen der Geräteindustrie im Reprographiebereich zurückzuführen ist. Im vergangenen Jahr hatte der Bundesgerichtshof die volle Vergütungspflicht von Multifunktionsgeräten (das sind z.B. Drucker, Scanner und Kopierer in einem Gerät) für die Jahre 1996 bis 2001 bestätigt, was zu Mehreinnahmen im Reprographiebereich von rund 30 Mio. Euro führte. Diese zusätzlichen Gelder machen sich jedoch nur in den gestiegenen Ausschüttungen im Reprographiebereich bemerkbar, denn die VG WORT darf Einnahmen gemäß ihres Verteilungsplans nur jeweils in derjenigen Kategorie ausschütten, in der die Einnahmen erzielt wurden.

KEINE EINIGUNG MIT DER GERÄTEINDUSTRIE ÜBER VERGÜTUNGSHÖHEN

Betrachtet man den audiovisuellen Bereich für sich alleine, so ist ein Rückgang der zur Verfügung stehenden Mittel um 22,4 Prozent zu verzeichnen.
Standen im Jahr 2007 noch 11,3 Mio. Euro zur Verfügung, so waren es im Jahr 2008 nur noch 8,8 Mio. Euro. Von diesen Einnahmen müssen gemäß Verteilungsplan der VG WORT etwa 2 Mio. Euro zurückgestellt werden, da Fernsehsendungen, die im Jahr 2008 ausgestrahlt wurden, noch bis Ende 2011 nachgemeldet werden können. Unter Berücksichtung dieser Rückstellungen ergibt sich ein Rückgang um 32,7 Prozent (10,1 Mio. Euro in 2007 gegenüber 6,8 Mio. Euro in 2008).
Ein zentraler Grund für die stark zurückgegangenen Einnahmen ist die neue Gesetzeslage gemäß dem 2. Korb der Urheberrechtsnovelle. Während früher die Höhe der Vergütungen für Geräte und Speichermedien im Gesetz geregelt war, muss diese mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes seit dem 1. Januar 2008 zwischen der Geräteindustrie und den Verwertungsgesellschaften für jeden Gerätetyp eigenständig verhandelt werden. Diese Verhandlungen werden bereits seit Mitte 2007 geführt, haben jedoch im audiovisuellen Bereich bisher zu keinem Ergebnis geführt. Zwar hat der Gesetzgeber genau für diesen Fall eine zweijährige Übergangsphase vorgesehen, in der die alten Tarife weiter bezahlt werden müssen. Dennoch hat die Geräteindustrie ihre Zahlungen im Verlauf des vergangenen Jahres teilweise eingestellt.

NEUE AUTOMATISCHE SENDEERFASSUNG FÜHRT ZU DEUTLICHER ERHÖHUNG VON WERKMELDUNGEN

Ein weiterer wichtiger Grund für den starken Rückgang der Quote von 90 Cent pro 10 Punkte für 2007 auf 50 Cent pro 10 Punkte für 2008 besteht darin, dass sich die Anzahl der gemeldeten Werke für das Jahr 2008 dramatisch erhöht hat. Hier wirkt sich erstmals die neue, automatische Sendeerfassung der VG WORT aus, die von den Autoren ausdrücklich gewünscht worden war. Das neue System ermöglicht nicht nur eine flächendeckende Erfassung aller ausgestrahlten Werke, sondern berücksichtigt nach der Erstmeldung eines Beitrags auch automatisch alle Wiederholungen.
Zur Verbesserung der Situation im audiovisuellen Bereich hat deshalb die Mitgliederversammlung der VG WORT beschlossen, den Verteilungsplan so zu ändern, dass bei der Punktwert-Berechnung in Zukunft nicht mehr alle Wiederholungen, sondern nur noch jeweils zwei Ausstrahlungen eines Werkes pro Halbjahr berücksichtigt werden, um dem kontinuierlichen Ansteigen der Gesamtpunktzahl entgegenzuwirken.
Für die Ausschüttungen im Jahr 2010 für 2009 muss trotzdem befürchtet werden, dass sich die Einnahmensituation im audiovisuellen Bereich noch einmal verschlechtern wird: Selbst wenn es gelingt, in diesem Jahr eine Einigung mit der Geräteindustrie über die Vergütungshöhen für bestimmte Geräte- und Speichermedien zu erzielen, so ist mit Zahlungen frühestens im Geschäftsjahr 2010 zu rechnen. Die zu erwartenden Nachzahlungen an die Autoren können sich also frühestens im Rahmen der Ausschüttungen 2011 positiv bemerkbar machen.

VG Wort aktuell Oktober 2009
www.vgwort.de