Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

In der Geisterbahn - der "Fall Heinze"

Pressemitteilung

Was beim NDR passiert ist, ist ein Supergau des Öffentlich Rechtlichen Fernsehens: Die Kontrollmechanismen haben versagt. Das ganze System, das über lange Zeit praktiziert wurde, hat Unterwerfung und Phantasielosigkeit produziert. Der „Fall Heinze“ ist nur die Konsequenz aus diesem Selbstverständnis.

Der VDD weist die Vorwürfe des NDR zurück, Wissen zurückgehalten zu haben. Der VDD wird nach außen aktiv, sobald es justiziable Beweise gibt. Diese lagen im "Fall Heinze" nicht vor, der Verband spricht deshalb auch auf seiner Website von sich "vermehrenden Zeichen", Vorstandsmitglied Pim Richter sprach von "Hinweisen".

Dem VDD waren, wie den meisten in der Branche, Gerüchte bekannt. Mehr nicht. Wenn jetzt Martin Gartzke, der Pressesprecher des NDR, dem VDD Vorwürfe macht und dem Verband nach seinem Selbstverständnis fragt, weil wir unser Wissen zurück gehalten hätten, dann ist das unverfroren und lächerlich. Dies ist ein Ablenkungsmanöver, das nur das Versagen des Senders verschleiern soll.

Im Sender selbst haben alle Kontrollmechanismen versagt. Denn dem Sender sind diese Gerüchte bekannt wie uns. Vor einigen Jahren schon - die Presse berichtete ausführlich - wurde schon einmal versucht, den Machtmissbrauch in den Öffentlich Rechtlichen Sendern anzuprangern. Es fiel unter anderem der Name Heinze. Aber es gab damals eine geschlossene Verteidigungslinie der Sender, die vom ehemaligen Programmdirektor Struve angeführt wurde.

Struve hat das System der unkontrollierten Machtfülle der leitenden Redakteure in der ARD gewollt. Dieses System hat eine ganze Branche, seien es Autoren, Regisseure, Schauspieler oder Produzenten, in die Abhängigkeit von Redakteuren gezwungen, die oft willkürlich, wie der Fall Heinze zeigt, darüber entscheiden können, wer was schreibt, wer inszeniert, wer spielt und wer produziert. Dieses System hat Unterwerfung, Einverständnis und Phantasielosigkeit produziert und im Zuge der „Süßstoffoffensive“ zu einer Verschmonzettung der Programme geführt. Die Korruption im NDR ist nur die Konsequenz aus diesem Selbstverständnis.

Die Gier der Frau Heinze ist eine Sache. Damit soll sich der Staatsanwalt beschäftigen. Aber das System des Öffentlich Rechtlichen Fernsehens ist durch Habgier und unkontrollierte Machtfülle missbraucht worden. Das erinnert fatal an den Finanzskandal, wo auch alle Kontrollmechanismen versagt haben und die Gier der Banker, die sich jeder Kontrolle entzogen hatten, den Supergau produziert hat.

Was beim NDR passiert ist, ist ein Supergau des Öffentlich Rechtlichen Fernsehens. Frau Heinze hat nicht nur Kollegen Arbeit weggenommen, sondern sie hat vor allem mit ihrem Geschmacksdiktat die Phantasie der Kreativen unterdrückt und verhindert, dass die Zuschauer mit einem sehr viel breiteren Spektrum an Programmen unterhalten wird.

Der Verband Deutscher Drehbuchautoren will die Chance nutzen und eine breite Diskussion mit den Kreativen, den Regisseuren und Schauspielern und auch mit den sensiblen, intelligenten Redakteuren, die es natürlich auch gibt, beginnen, wie denn ein phantasievolles, unterhaltsames, aufregendes Fernsehprogramm jenseits der Schmonzetten heute aussehen kann. Wir werden alle Interessierten schon sehr bald zu den ersten Diskussionen über die Zukunft des Fernsehens einladen.

Der Vorstand des VDD

Berlin, den 1. September 2009

Weitere Informationen:
Katharina Uppenbrink (Geschäftsführung)
Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V.
Charlottenstr. 95
D - 10969 Berlin
+49 / (0)30 / 25 76 29 71
uppenbrink@drehbuchautoren.de
www.drehbuchautoren.de