Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Zur Lage der Drehbuchautoren

Unser streitbarer Kollege und VDD-Mitglied Markus Stromiedel hat in einem viel beachteten Interview auf die sich verschlechternde Lage der deutschen Drehbuchautoren hingewiesen.
http://www.newsroom.de/news/detail/534465
http://www.neue-oz.de/_archiv/noz_print/medien/2009/08/23161581.html

Dieser Text, der von Seiten des VDD-Vorstands voll unterstützt wird, hat auch gleich Wirkung gezeigt: Uns erreichten verschiedene Anfragen der Presse.
Der Vorstand des VDD hat das zum Anlass genommen, die jetzige Situation genauer zu beschreiben - auch vor dem Hintergrund, dass sich die Honorarzahlungen in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert haben und gleichzeitig immer mehr Rechte abgegolten sein sollen. Darüber verhandeln wir gerade mit dem ZDF, der ARD, der Produzentenallianz und dem Produzentenverband. Nachfolgend die Pressemitteilung:

Pressemitteilung des VDD zu der Situation der Drehbuchautoren

Der Umgang einzelner öffentlich-rechtlicher Sender und ihrer Redaktionen mit ihren Autoren ist so unterschiedlich, wie die beteiligten Personen. Dennoch ist eine bedauernswerte Tendenz zu beobachten.
Die fiktionalen Programme werden insgesamt geringer geschätzt und deren Finanzierung zugunsten von Fernsehunterhaltung, News-Programmen, Polittalkshows, Sport u.ä. verringert.

Eine gewisse Geringschätzung drückt sich schon darin aus, dass die Honorare seit gut zehn Jahren nicht erhöht wurden. Gemessen an den allgemeinen Kostensteigerungen haben wir es also mit einem realen Einkommensverlust zu tun. Darüber hinaus sollen die Honorare zukünftig noch gesenkt werden.

Für immer weniger Geld sollen immer mehr Verwertungsrechte eingeräumt werden.
Hinzu kommt, dass die Verträge so gestaltet sind, dass die Autoren den größten Teil des Entwicklungsrisikos tragen, da sie nach einer Absage oft nur eine erste oder zweite Rate aus den Staffelverträgen bekommen, von den üblichen Wiederholungshonoraren ganz zu schweigen.
Der zeitliche Aufwand für die Entwicklung der Geschichte von der Idee bis zur ersten Drehbuchfassung ist am größten. Für diese Phase steht aber nur maximal ein Drittel des Grundhonorars zur Verfügung.
Die mittlerweile extrem hierarchisch geführte Entscheidungsstruktur innerhalb der öffentlich-rechtlichen Sender führt dazu, dass Redakteure oft „auf Verdacht“ mit ihren Autoren Stoffe entwickeln, die dann ohne Begründung abgelehnt werden. Oft reicht nur eine neu ausgegebene Losung, wie „schlechte Zeiten, leichte Stoffe“, um einen verdienten Autor abzuschmettern.
Auch wenn es nicht für alle Autoren gilt, so ist die Tendenz zum Autor als willfährigem Dienstleister eindeutig aus den Berichten unserer Mitglieder herauszulesen. So werden etwa immer häufiger Autoren ohne große Begründung aus ihren Stoffentwicklungen entlassen.

Die Hinweise, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen weniger anspruchsvolle Geschichten will, sich weitgehend dem bequemen Diktat der Quote beugt und somit in der Vermassung die Verflachung bedient, verdichten sich auf jeden Fall.
Wichtige gesellschaftliche Themen und kontroverse Inhalte werden als zu schwer empfunden und ausgegrenzt.
Engagiertes Geschichtenerzählen ist Teil der Identitätsstiftung einer Gesellschaft und nicht reine Content - Produktion. Leider wird die Entwicklung eines Drehbuches von vielen Entscheidern in der Branche aber so gesehen.

Wir alle müssen uns fragen, was uns engagiertes Geschichtenerzählen noch wert ist.
Als Verband der Drehbuchautoren sind wir entschieden dafür, das öffentlich-rechtliche Fernsehen da zu unterstützen, wo es noch den Mut findet, Kontroversen zuzulassen und damit seinem Auftrag gerecht wird.
Wir bedauern, dass die Sendeplätze, die das zulassen zunehmend verschwinden.
Zugleich machen wir darauf aufmerksam, dass eine schlechtere Honorierung, wie sie derzeit von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten angestrebt wird, zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Qualität führen wird und wir sind nicht bereit, das hinzunehmen.
Ein Teil der Autoren kann auf dem unbeständigen Markt kaum noch überleben und ist kurz davor, auszusteigen.
Die Pflege guter Autoren sollte für eine nachhaltige Entwicklung der Rundfunkwirtschaft im eigenen Interesse eine Selbstverständlichkeit sein. Den öffentlich-rechtlichen Sendern kommt hier eine besondere Verantwortung zu.

Der Vorstand