Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

NDR Fernsehspielchefin Doris J. Heinze suspendiert

Die Zeichen mehrten sich – mehr als ein Kollege mit einschlägigen ARD-Erfahrungen mag sich bestätigt fühlen. Inzwischen ist es die Mediennachricht des Tages, vielleicht des Jahres: NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze wird vorgeworfen, ihren Ehemann unter dem Pseudonym "Niklas Becker" als Autor beschäftigt zu haben. Nicht nur die „kreative“ Erstellung einer fingierten Biografie für den schreibenden Strohmann erschüttert die Fernsehrepublik, sondern vor allem die Aufdeckung eines glänzend funktionierenden Selbstbedienungs-Systems.

Die FAZ schreibt: "Das dürfte ein Skandal werden, der nicht nur den Sender, sondern die deutsche Produktionslandschaft erschüttert: Die Fernsehspielchefin des Norddeutschen Rundfunks, Doris Heinze, ist am Donnerstag mit sofortiger Wirkung suspendiert worden. Man bereite ihre fristlose Kündigung vor, teilt der Sender mit.“
Der VDD beobachtet seit Jahren mit Sorge den übergroßen Machtzuwachs einzelner Entscheider im öffentlich rechtlichen Rundfunk. Fälle, in denen RedakteurInnen Drehbücher nicht abgenommen haben, um dann selbst für kleine Korrekturen weitere Raten des Honorars zu kassieren, Drehbücher, die ohne fundierte Begründung den Autoren entzogen wurden, Producer, die für ein paar kleine dramaturgische Einfälle Autoren-Kredits verlangen und der Abbruch von Entwicklungen ohne Begründung sind keine Einzelfälle mehr. Der Fall Heinze ist die Spitze eines Eisbergs.
Es geht hier nicht allein um die dubiosen Machenschaften einzelner Funktionsträger. Es geht auch ums Prinzip: den Einfluss des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf die Produktions- und Filmlandschaft insgesamt - und darum, wie es diese Landschaft verändert. Eine strenge Hierarchie mit weitgehend entmachteten, zuliefernden Redakteuren begünstigt die Entwicklung pauschalisierter, unpersönlich wirkender Programme ebenso wie die Verflechtung mit großen Produktionsfirmen und Förderungen. Die Vergabepraxis der Nordmedia Länderförderung zugunsten von NDR Programmen steht schon lange in der Kritik. Der NDR dominiert die Nordmedia, auch hier u.a. vertreten durch Doris J. Heinze.
Das Geflecht des Öffentlichen-Rechtlichen Rundfunks mit ihren übermächtigen Produktionstöchtern und Gremienbeteiligungen dominiert den Markt bis in die Kinoproduktion. Wenn man es genau betrachtet, entscheiden nur noch wenige Chefredakteure und Programmdirektoren über den Inhalt des größten Teils der deutschen Filmproduktion.
So entsteht unter den Autoren der Eindruck, willkürlich den Launen und Geschäften Einzelner ausgeliefert zu sein- auch deshalb haben KollegInnen geschwiegen, die schon seit Jahren von den Machenschaften der Doris J. Heinze und anderer wussten oder betroffen waren. Die angestrebte Pluralität bleibt auf der Strecke. Verlierer sind die Kreativen und die Gebührenzahler.

links:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/214/485638/text/

http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911/Doc~EAAFE5EADC2...