Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD)

Drei Farben: Blaugrün. Ziegelrot. Ockergelb.

Der Film- und Drehbuch-Almanach SCENARIO ist nach 2007 und 2008 zum dritten Mal erschienen, diesmal in gelbem Gewand.

„Almanach“ ist vermutlich aus dem arabischen Wort „al manach“ für „Geschenk“ oder auch „Neujahrsgeschenk“ hergeleitet. Herausgeber Jochen Brunow und seine Autoren erfüllen dieses Versprechen auch diesmal wieder.

Seit dem 18. Jhd. umfassen literarisch-musische Jahrbücher meist eine große Vielfalt an Textformen und -gattungen. Neben dem praktischen Gebrauchswert - etwa wegen der darin enthaltenen Kalender mit Fest- und Markttagen etc. - fanden Gedichte, Anekdoten, Berichte, und kleinere Erzählungen darin ihren Platz. Das Inhaltsverzeichnis und damit ein Überblick über die Vielfalt von Scenario 3 findet sich auf http://www.edition-scenario.de/ oder der Verlags-Website www.bertz-fischer.de/scenario3.html.

Leser der Vorgänger-Bände erkennen schnell, dass die eingeführten Rubriken beibehalten wurden: Das „Werkstattgespräch“ von Jochen Brunow mit einem erfahrenen Kino-Autor über seine Arbeitsweise (diesmal mit Chris Kraus), die anregenden „Essays“ (diesmal mit einem Schwerpunkt zu den Gründen sowie den Vor- und Nachteilen, wenn Autoren ihre eigene Regie übernehmen) , das Arbeits-„Journal“ eines Autoren (diesmal von Peter Schneider, mit tragikomischen Einblicken in die Funktionsmechanismen der Branche), Beiträge zur „Geschichte des Drehbuchs“ und die „Lesezeichen“ mit Rezensionen jüngst erschienener Fachliteratur. Alles wird im seit dem ersten Band bewährten Layout mit informativen Randnotizen präsentiert. Last but not least ist natürlich auch wieder das mit dem Deutschen Drehbuchpreis für das beste unverfilmte Drehbuch des Jahres 2008 ausgezeichnete Script vollständig abgedruckt: „Das zweite Leben des Häuslers Stocker“ von Klaus Krämer, nach einer Kurzgeschichte von Oskar Maria Graf.

Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Nicht jeder Beitrag wird jeden Leser in gleichem Maße unmittelbar fesseln, das versteht sich bei einem Sammelband und unterschiedlichen Leserinteressen von selbst. Aber es empfiehlt sich, nicht nur rasch die eigenen Rosinen zu picken, sondern den Almanach im Sinne des Erfinders auf dem Arbeits- oder dem Nachttisch liegen zu lassen. Und nach und nach auch in Texte hinein zu lesen, die einen nicht auf den ersten Blick anspringen. Dieses Buch kann im angenehmen Sinn ein Jahr lang der Horizonterweiterung, der Selbstvergewisserung und der Reflektion über die manchmal banale, manchmal absurde, manchmal schreckliche, manchmal beglückende Tätigkeit des Drehbuchschreibens dienen. Und der Einordnung dieser Tätigkeit national wie international (zumindest hinsichtlich der USA) in akuelle Strömungen und Moden und historische Entwicklungslinien.

Ein Jahr lang - bis hoffentlich der nächste Band mit neuen Anregungen, Gedanken und Perspektiven wieder pünktlich zur Berlinale erscheint. Für eine regelmäßig erscheinende Drehbuch-Zeitschrift ist der deutschsprachige Markt offenbar zu klein. Versuche hat es in den letzten Jahren einige gegeben, doch alle wurden bald wieder eingestellt. Um so schöner und wichtiger, dass wenigstens Jochen Brunows Almanach ein Forum bietet, in dem diese Themen behandelt werden.

Heiko Zupke